05.12.2019

Der Mensch als Montage

Wir sind es uns mittlerweile gewohnt, den Menschen als Hybrid aus Fleisch und Elektronik zu sehen, so sehr sind wir mit unseren Mobiltelefonen und Tablets und über diese Geräte mit Künstlicher Intelligenz und Datenbanken verwachsen. Neu ist das Bild des Menschen als Montage aber keineswegs. Das zeigt das Museum Folkwang in Essen auf eindrückliche Weise: In der medienübergreifenden Ausstellung «Der montierte Mensch» zeigt das Museum herausragende Werke der letzten 120 Jahre, die das Verhältnis von Mensch und Maschine thematisieren. Die Bilder sind manchmal poetisch, manchmal erschreckend – und immer erstaunlich aktuell.

Fernand Léger
Le mécanicien, 1920
National Gallery of Canada, Ottawa
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: NGC

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte auf der ganzen Welt eine grosse Technik-Euphorie. Die Industrialisierung entlastete die Menschen um viele unangenehme, anstrengende Tätigkeiten. Doch schon bald kehrte Skepsis ein. Die Maschinen drohten, den Menschen nicht nur zu ergänzen, sondern ihn ganz eigentlich zu verschlucken. Charlie Chaplin hat diesen Ängsten in «Modern Times» ein filmisches Denkmal gesetzt. Seither wird der technische Fortschritt – von Industrialisierung über Technisierung zur Digitalisierung – von Fortschrittsglaube vorangetrieben und von Skepsis begleitet.

Die medienübergreifende Ausstellung «Der montierte Mensch» (8. November 2019 – 15. März 2020) im Museum Folkwang widmet sich diesem Verhältnis von Mensch und Maschine. Ausgehend von den aktuellen Diskussionen rund um Künstliche Intelligenz und Digitalisierung schlägt die Schau einen Bogen durch die Kunstgeschichte der letzten 120 Jahre und zeigt herausragende Werke der Klassischen Moderne sowie bedeutende Positionen der Nachkriegskunst und der Gegenwartskunst – von Fernand Léger bis Ed Atkins.

Zu sehen sind über 200 Werke von rund 100 Künstlerinnen und Künstlern. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich vom Beginn des Maschinenzeitalters bis in die Gegenwart mit den Auswirkungen von Industrialisierung, Mechanisierung, Kybernetik, Robotik und Künstlicher Intelligenz auf Mensch und Gesellschaft auseinandergesetzt haben. Die Schau präsentiert nicht nur bedeutende künstlerische Positionen des frühen 20. Jahrhunderts, darunter Bilder von Fernand Léger, Marcel Duchamp, El Lissitzky und Otto Dix, sondern mit Robert Rauschenberg, Eva Hesse, Roy Lichtenstein und Konrad Klapheck auch die wichtigsten Vertreter der Nachkriegskunst. Der grosse Bogen wird dabei bis in die Gegenwart verlängert mit von Digitalität geprägten Werken der jüngeren Künstlergeneration, wie von Ed Atkins und Avery Singer. Gemeinsam ist den Bildern die intensive Auseinandersetzung mit dem Menschen und seinen Maschinen. Eine spannende Schau.

https://www.museum-folkwang.de/de/aktuelles/ausstellungen/ausblick/der-montierte-mensch.html



Publiziert von Mathias Zehnder am 05.12.2019 14:05 in Hingehen, Nachdenken, Sehen


Keywords: [Gesellschaft] [Robotik]


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