25.11.2019

Google will den Roboter neu erfinden

R2D2 aus «Star Wars» und Data aus «Star Trek» mögen auf dem Bildschirm die Herzen der Zuschauer gewinnen – in der Realität sind Roboter weit von diesen Visionen entfernt. Bei den allermeisten Robotern, die heute im Einsatz sind, handelt es sich um teure, hochspezialisierte Maschinen. In der Regel arbeiten sie in einer Montagehalle, sind fix montiert und haben einen einzigen Arm. Das Unternehmen X, die Forschungsabteilung von Google-Mutter Alphabet, will das jetzt ändern: Die Firma hat die «Everyday Robots» vorgestellt. Wenn es nach Google geht, sollen solche Roboter schon bald Alltag werden.

Das Unternehmen X hat den Auftrag, das nächste grosse Ding zu entwickeln. Zu den Projekten von X gehörten zum Beispiel ein selbstfahrendes Auto, die Bildschirmbrille Google Glass oder eine Kontaktlinse, welche den Blutzuckerspiegel überwacht. Das neuste Kind des Labors heisst «Everyday Robot» (Alltagsroboter). X schreibt in einem Blogbeitrag, dass sich Roboter heute etwa auf dem Entwicklungsstand befinden, auf dem sich in den 60er und 70er Jahren der Computer befunden habe. Der Personal Computer war damals noch weit weg. Computer waren teure, hochspezialisierte Geräte von der Grösse eines (amerikanischen) Familienkühlschranks, die von ebenso teuren Ingenieuren gewartet und betreut werden mussten.

Der Everyday-Robot soll sich in alltäglicher Umgebung selbstständig bewegen können. Bild. X

Die massiv verbesserte Rechenleistung von Mikroprozessoren und ganz neue Ideen darüber, wie ein Computer arbeiten soll, haben die Situation in den 80er Jahren völlig verändert. «Ich glaube, wir stehen an der Schwelle zu einer ähnlichen Entwicklung in der Robotik», schreibt Hans Peter Brøndmo, der Leiter des Everyday-Robots-Teams bei Google X. Die Bedeutung, welche die Miniaturisierung und die grafische Bedieneroberfläche für den Personal Computer hatte, nimmt laut Brøndmo bei der Entwicklung neuer Roboter das maschinelle Lernen und immer ausgefeiltere Sensorik ein.

Zwar gibt es heute Roboter-Staubsauger oder Roboter-Rasenmäher. Die Geräte funktionieren aber nur unter bestimmten Bedingungen in genau abgesteckten Umgebungen. Und sie können jeweils nur eine einzige Aufgabe erledigen. Der Everyday-Robot will mehr: Es soll eine Maschine sein, die ganz unterschiedliche Aufgaben in den chaotischen, unstrukturierten Räumen des Alltags erfüllen kann. Ziel der Entwicklung ist ein Gerät, das sich so universell und selbstverständlich in der physischen Welt einsetzen lässt wie ein Personal Computer in der virtuellen Welt.

Müll richtig trennen kann er schon. Jetzt soll er das Lernen, dass er dabei gelernt hat, auf andere Aufgaben übertragen.

Anders als Roboter-Rasenmäher, die ein Set von vorprogrammierten Regeln arbeitet, soll der Everyday-Robot nicht ein vordefiniertes Programm abarbeiten. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass man Maschinen beibringen muss, wie sie lernen können, nützliche Aufgaben auszuführen; man kann sie nicht programmieren», sagt Hans Peter Brøndmo. Gemeinsam mit Teams von Google, die sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen, haben die Entwickler erforscht, wie man Robotern etwas beibringen kann. Sie haben die Roboter gelehrt, Menschen etwas abzuschauen, gegenseitig von Erfahrungen zu lernen und neue Wege über Simulationen auszutesten. Mittlerweile sind die Roboter in der Lage, sich auch Aufgaben ausserhalb des Labors zu widmen. So haben sie etwa gelernt, Müll zu trennen. Dabei geht es Brøndmo nicht um das Mülltrennen, sondern darum, dass die Roboter lernen zu lernen.

Anders als die schnuckeligen Roboter, die von den Medien gerne gezeigt werden oder die Vorbilder aus «Star Wars» und «Startrek» haben die Everyday-Robots von keinerlei humanoide Form. Sie haben, wie Industrieroboter, einen Arm mit einer Greifzange, sie sind aber nicht fest montiert, sondern bewegen sich auf Rollen frei im Raum. Noch handelt es sich dabei um ein Forschungsprojekt und es dürfte noch eine Weile gehen, bis die Roboterchen im Supermarkt zu kaufen sind. Hans Peter Brøndmo ist aber zuversichtlich, dass sein Team auf dem Weg zum Personal Robot einen grossen Schritt weiter gekommen ist.

https://x.company/projects/everyday-robots



Publiziert von Mathias Zehnder am 25.11.2019 16:39 in Lesen, Nachdenken, Sehen


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