15.10.2019

Digitale Kunst mit Vera Molnár

Wenn Kunst aus dem Computer kommt – wer ist dann der Künstler? «Ich», sagt Vera Molnár, die «Grande Dame» der Digitalen Kunst. Die Künstlerin, 1924 in Budapest geboren, ist im Januar 95 Jahre alt geworden. Sie ist eine Pionierin der Computerkunst. Das Museum of Digital Art in Zürich widmet ihr derzeit eine Ausstellung.

Auf dem Boden ihres Studios sitzend, erklärt die 95-jährige Vera Molnár den Algorithmus eines ihrer Gemälde. (© Galerie La Ligne)

Wenn Kunst aus dem Computer kommt – wer ist dann der Künstler? «Ich», sagt Vera Molnár, die «Grande Dame» der Digitalen Kunst. Die Künstlerin, 1924 in Budapest geboren, ist im Januar 95 Jahre alt geworden. Sie ist eine Pionierin der Computerkunst. Das Museum of Digital Art in Zürich widmet ihr derzeit eine Ausstellung. Weil Vera Molnár sich seit den Anfängen mit Digitaler Kunst beschäftigt, eignet sich die Ausstellung hervorragend als Einführung in Computerkunst.

Angefangen hat es 1968, im Jahr der Jugendrevolution. Vera Molnár überredete den Leiter des Rechenzentrums an der Universität Paris, ihr nachts, wenn die Computer nicht ausgelastet waren, Rechenzeit für künstlerische Experimente zu überlassen. Sie wollte den Grossrechner, der eigentlich für naturwissenschaftliche Berechnungen installiert worden war, für algorithmische Zeichnungen nutzen. Der Leiter des Rechenzentrums liess sich erweichen und überliess Vera Molnár einzelne Rechenminuten am Terminal.

Eine Reproduktion von «36 carrés», einer Bewegungsstudie aus 1986. Die originale Serie ist an der Ausstellung im MuDA zu sehen. (© Digital Arts Association)

Vera Molnár hatte schon früher Erfahrungen mit Kunst-Algorithmen gesammelt. Bis dahin hatte sie die Regeln aber selber ausgeführt. Schon als Mädchen hatte sie Sonnenuntergänge gemalt und dabei nach einer eigenen Regel die Farbstifte verändert. Später malte sie Bilder aus Quadraten, wobei sie die Grösse und die Farbe der Quadrate mit einem Würfel bestimmte.

1968 also gab sie Zeichnungsregeln in den Computer ein und liess ihn Formen berechnen und dann plotten. In Interviews erklärte sie, der Computer habe die Rolle des Zufalls übernommen. Dabei entstehe aber auch viel Schrott. Es brauche sie als Künstlerin, die das richtige Bild auswähle – deshalb sei es nicht der Computer, der die Kunst verantworte, sondern sie selbst. «Computer sind wertlos ohne das menschliche Gehirn, das komplizierte Kombinationen zur Berechnung vorgibt», sagt sie.

Die Ausstellung im Zürcher Museum of Digital Art zeigt aktuelle Arbeiten von Vera Molnár, aber auch ältere Werke, die zurück bis in die 60er Jahre reichen. Sie ermöglichen es auf einzigartige Weise, sich mit der Entstehung von Digitaler Kunst zu beschäftigen.

muda.co/veramolnar



Publiziert von Mathias Zehnder am 15.10.2019 14:30 in Hingehen, Sehen




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