29.04.2019

Das Schweizer Filmerbe ist in Gefahr

Das Schweizer Filmerbe ist in Gefahr. Dieser Warnruf ist zur Zeit vom Filmwissenschafter Simon Spiegel zu hören, der sich im Online-Magazin Republik zu Wort meldet.

Alte Schweizer Filme erzielen im Fernsehen regelmässig Rekordquoten. Das Publikum liebt die Geschichten der 50er und 60er Jahre  – Heinrich Gretler, Emil Hegetschweiler, Elsie Attenhofer. Das Behäbige, Altbackene wird heute merkwürdig exotisch. Beliebt sind auch Filme aus neuerer Zeit – allen voran der Film „Schweizermacher“ von Rolf Lissy aus dem Jahr 1978 mit Emil Steinberger, Walo Lüönd und Wolfang Stendar oder „Les petites fugues“ des kürzlich verstorbenen Yves Yersin.

So weit so gut – nur könnte es bald um Filme wie diese geschehen sein. Filmmaterial lässt sich nicht ewig konservieren und deshalb ist man weltweit daran das filmische Erbe zu digitalisieren. Das weiss man auch in der Schweiz und hat dafür eine eigene Organisation gegründet: Memoriav. Sie soll sich um das audiovisuelle Erbe kümmern. Auch die Cinémathèque Suisse, so denkt man, beschäftigt sich damit. Nun fehlt es aber offenbar bei beiden Organisationen an Strategien und Geld.

Die Digitalisierung des filmkulturellen Erbes der Schweiz liegt im Argen. Dass einzelne Filme trotzdem digitalisiert werden und damit erhalten werden können, ist vielfach privaten Initiativen zu verdanken. Nicht selten gehen sie von den Autoren und Regisseuren selber aus.

Der Filmwissenschafter Simon Spiegel hat für seine Recherche für das Online Magazin Republik unter dem Titel „Der digitale Filmriss“ eine Vielzahl von Stimmen aus der Kulturpolitik und der Filmwirtschaft zusammengetragen. Sie lassen sich im Statement der Zürcher Filmwissenschafterin und Professorin Barbara Flückiger zusammenfassen:“ Weder im Parlament noch im Bundesrat scheine man zu verstehen, wie viel auf dem Spiel stehe.“

Ein möglicher Ausweg sieht der Autor in einem Schachzug: Die Digitalisierung wird nicht über die Kulturpolitik sondern über einen Fonds für Infrastruktur­projekte geregelt werden. So hat es in den Niederlande funktioniert. Indes: bleibt zu hoffen, dass es in der Schweiz auch ohne solche Winkelzüge geht. Es steht viel auf dem Spiel. Nur müsste jemand die Initiative ergreifen.

Unsere Bilder entstanden im August 2010 in der Werkstatt von Bolex in Yverdon. Bolex war vor allem in den 50er und 60er Jahren weltweit einer der erfolgreichsten Hersteller von 16mm Filmkameras. Dieses Format war bei den Schweizer Filmemachern in den 60er und 70er Jahren sehr beliebt. Es war billiger und einfacher als das 35mm-Format, das weltweit bei grossen Produktionen standard war. Fotos: Dominik Landwehr. Aus urheberrechtlichen Gründen verzichten wir auf die Wiedergabe von zeitgenössischem Fotomaterial.



Publiziert von Dominik Landwehr am 29.04.2019 15:53 in Lesen, Nachdenken, Sehen


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