12.02.2019

Was bedeutet Menschlichkeit? Theater zu künstlicher Intelligenz

Im Theater 111 in St. Gallen wird derzeit ein Stück über künstliche Intelligenz und die Frage, was ist Menschlichkeit gezeigt. Am 23. Februar diskutieren zudem ein Ethiker, ein Historiker und ein KI-Spezialist über das menschliche Aussehen von Robotern.

Nathalie Hubler und Rino Hosennen als Humanoide Sophie und Hannes und Thomas Furrer als verrückter Dr. Bann, der diese beiden Kreaturen erschaffen hat. Bild: theater111

Regisseurin Anne Meyer bringt für ihr Theater eine Technologie-Konferenz auf die Bühne und demaskiert die wahnwitzigen Fantasien eines US-Informatikers, der sich eher um technische Möglichkeiten als um ethische Fragen rund um künstliche Intelligenz kümmert.

Der amerikanische Informatiker und Roboterentwickler heisst Ben Goertzel. Im Sommer 2017 hat er in Hongkong an der Rise-Konferenz seine zwei neusten Entwicklungen von Hanson Robotics vorgestellt. Die beiden humanoiden Roboter Sophia und ihr «männlicher» Gegenpart Han. Goertzel, weltweiter Vordenker in künstlicher Intelligenz, philosophiert mit diesen Robotern über die Zukunft der Menschheit. Seine Vorstellung und Zukunftsaussichten für KI sind klar: Fortschritt ist wichtiger als ethische Konsequenzen. «Ethik und Moral sind interessante Denkweisen. Beim Programmieren dieser Kreaturen habe ich mir aber in erster Linie Gedanken über ihre Möglichkeiten gemacht.»

Das Original: Ben Goertzel philosophiert mit Sophia und Han über die Zukunft der Menschheit. (Bild: Rise-Conference)

Ein Videomitschnitt dieser realen Konferenz diente Regisseurin Anne Meyer als Vorlage für ihr neues Stück «Ich bin nicht menschlich». «Das Video ist so surreal und der Wissenschaftler wie auf LSD, aber er meint das alles ziemlich ernst.»

Das Stück stellt die reale Situation der Konferenz nach und erweitert sie. Sophie, Hannes und Dr. Bann, wie die Protagonisten im Theaterstück heissen, schaffen es, die tatsächliche surreale Komik zu wahren und durch eigene Körpersprache und Zuspitzung noch zu steigern.

Das Theaterstück klärt Begriffe wie Algorithmus und integriert wichtige Theorien von KI-Urgesteinen wie Marvin Minsky oder Isaac Asimov und ist somit auch interessant für Menschen, die sich noch nicht eingehend mit künstlicher Intelligenz befasst haben.

Das Stück wirft grosse Fragen unserer Zeit auf. Wollen wir Menschen, dass Maschinen uns kontrollieren, oder wir sie? Auch bezüglich unserer eigenen Ethik. Wie technikhörig und maschinell sind wir Menschen bereits? Alles wird immer schneller, effizienter und billiger. «Bei der Erarbeitung des Stücks kamen wir relativ rasch auf die Frage, was ist eigentlich Menschlichkeit?», erzählt Regisseurin Meyer.

Am 23. Februar findet nach der Aufführung eine Podiumsdiskussion statt. Es geht um die Frage, ob es Sinn macht, dass Roboter menschlich aussehen. Es sprechen der Historiker (Prof. Dr. Caspar Hirschi), Wirtschafts-Ethiker (Dr. Prof. Thomas Beschorner) und K.I.-Spezialist (Dr. Prof. Thilo Stadelmann) darüber, ob Maschinen ein menschliches Aussehen haben sollten oder nicht.

Spieldaten und weitere Informationen gibt es unter theater111.ch



Publiziert von Philipp Bürkler am 12.02.2019 14:13 in Hingehen, Nachdenken


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