15.01.2019

Frankenstein im Zürcher Schauspielhaus

Die Geschichte von Frankenstein ist der wohl beliebteste Science-Fiction Stoff der Weltliteratur: Die Vision vom künstlichen Menschen ist aktueller denn je und das Zürcher Schauspielhaus hat die Geschichte von 1818 in einer futuristischen Fassung von Dietmar Dath inszeniert.

Frankenstein im Zürcher Schauspielhaus: Bühnenbild Barbara Ehnes

Die Frankenstein-Geschichte sieht auf der Bühne des Zürcher Schauspielhauses aus wie ein Computergame. Das ist natürlich gewollt und dafür hat Regisseur Stefan Pucher auch den Game Designer Victor Morales beigezogen. Nüchterne, kalte Farben und viel Kunstnebel und transparente Vorhänge, viel Videoeffekte und elektronische Musik – das Auge weiss bald nicht mehr was real und was fiktiv ist. Man kann sich in die Geschichte einlassen: Der irre Doktor Frankenstein gespielt von Edmund Telgenkämpfer hat übel zugeschlagen und übernimmt in einer Klinik für das Gefrier-Konservieren von Toten die Macht. Dort ist auch seine eigene Kreatur, die bald ein unkontrollierbares Eigenleben entwickelt. Und bald wird klar das eigentlich dieses Geschöpf, gespielt von Robert Hunger-Bühler, das Sagen hat – zusammen mit der Roboterfrau Elisabeth Lavenza gespielt von Lena Schwarz.

Frankenstein im Zürcher Schauspielhaus: Bühnenbild Barbara Ehnes.

Der Science Fiction Autor und ehemalige Popjournalist Dietmar Dath hat das Buch von Mary Shelley aus dem Jahr 1831 kräftig überarbeitet und mit vielen aktuellen Bezügen und philosophischen Exkursen ergänzt. Das ist etwas schwere Kost aber alleweil sehenswert, nicht zuletzt auch wegen dem Bühnenbild von Barbara Ehnes.

Frankenstein im Zürcher Schauspielhaus: Bühnenbild Barbara Ehnes

Mary Shelley (1797 – 1851) hat die Geschichte von Frankenstein schon 1818 veröffentlicht – die Bücher sind im englischen Original und in der deutschen Übersetzung frei zugänglich und können im Internet sogar bei Amazon heruntergeladen werden. Sie hat sich die Geschichte im Jahr 1816 ausgedacht als sie mit Freunden am Genfersee im Urlaub war – in jenem Jahr ohne Sommer, das wegen des Ausbruches des Vulkans Tambora im Vorjahr düster, dunkel und kalt war. Viktor Frankenstein ist in ihrer Geschichte übrigens Schweizer… Die Geschichte war als Schauer- und Gruselmär konzipiert und begründete das Genre der Gothic Novel.

Das Zürcher Schauspielhaus zeigt das Stück noch bis anfang März 2019



Publiziert von Dominik Landwehr am 15.01.2019 09:16 in Hingehen, Nachdenken, Sehen


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