01.12.2018

Neues Leben für zerstörte Kulturgüter

Der Tempel von Baalshamîn ist einer von zahlreichen Kulturgütern, die durch den Krieg in Syrien komplett zerstört wurden – zusammen mit unzähligen weiteren in Palmyra und anderen Orten. Forscher der Uni Lausanne geben in einem grossen internationalen Projekt eine Ahnung davon, welche Bedeutung dieser Ort hat.

Der Tempel von Baalshamin aus der Vogelperspektive – ca Mitte 50er Jahre. (Sammlung Collart Uni Lausanne)

Das renommierte Institut du Monde Arabe in Paris lädt zur Zeit zu einer virtuellen Reise durch ein verwüstetes Land – im Zentrum stehen dabei die zerstörten Kulturgüter: „Cités millenaire – une voyage virtuel de Palmyre à Mossoul. Einen prominenten Platz nimmt dabei eine Arbeit der Universität Lausanne ein. Es geht um die Rekonstruktion des Tempels Baalshamîn. Der Bau wurde während rund vom 1.Jahrhundert v.Chr bis ins 7.Jahrhundert nach Christentums von verschiedenen Kulturen und Religionen benutzt, angefangen von der hellenistischen Zeit, über die Römer, Byzanz bis zur Frühzeit der islamischen Kultur.

Im Zentrum steht dabei eine Rekonstruktion – mit Hilfe von Virtual Reality können Besucher den Tempel, erleben. Dass dies möglich wurde, ist einer glücklichen Fügung zu verdanken: Die Uni Lausanne verfügt über den Nachlass eins der bedeutensten Archäologen der Schweizer Geschichte: Paul Collart (1902 – 1981), er hat seit den 50er Jahren die Stätten von Palmyra dokumentiert und die erste grosse Schweizer Ausgrabung im Ausland geleitet.

Die VR-Umsetzung ist dabei nur ein kleiner Teil des Projektes: Auf einer Zeitachse werden hier die verschiedenen historischen Stadien dieses Tempels gezeigt. Das Publikum erhält am Schluss Zugang zu Archivmaterialien in Form von Fotos, Zeichnungen, Karten und sogar ganzen Ausgrabungstagebüchern.

Die Forscher der Universität Lausanne arbeiten in einer internationalen Gruppe – mit dabei ist unter anderem das französische Startup-Unternehmen Icononem aber auch die französische Computergame Firma Ubisoft.

Die Ausstellung in Paris ist noch bis zum 10.Februar 2019 zu sehen. (Age old citys – a virtual journey from Palmyra to Mosul))
Die Website der Lausanner Forscher zeigt den jeweils aktuellen Stand des Projekts an.

3D Simulation des Tempels innen vor der Zerstörung. ®ICONEM_DGAM®ICONEM_DGAM



Publiziert von Dominik Landwehr am 01.12.2018 20:01 in Lesen, Nachdenken, Sehen




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