11.09.2018

«Playroom» Freiburg: Hunderte Synthesizer für die Öffentlichkeit zugänglich

Im neuen «Playroom» beim Schweizerischen Museum und Zentrum für elektronische Musikinstrumente in Freiburg können Besucher hunderte elektronische Musikinstrumente ausprobieren. Seit einigen Tagen läuft nun eine Kickstarter-Kampagne, um dem Projekt zusätzlichen Schub zu verleihen.

Hunderte von Synthesizer warten im Keller darauf, gespielt zu werden. Foto: SMEM/Margaux Kolly

Es gab die Zeit, Ende Achtzigerjahre und frühe Neunzigerjahre, da waren analoge Synthesizer völlig aus der Mode gekommen. Synthesizer und Drum-Computer wurden auf Flohmärkten zu Spotpreisen verkauft, obwohl die Geräte zuvor mehrere Jahrzehnte lang die Pop-, Disco- und Rockmusik geprägt hatten.

Während viele Musiker ihre Geräte damals weggeworfen hatten, erkannte der Basler Künstler Klemes Niklaus Trenkle bereits vor 35 Jahren, dass die klangliche und ästhetische Schönheit elektronischer Musikinstrumente auch in Zukunft noch aktuell sein wird. Trenkle hat seit den Achtzigerjahren etwa 2000 elektronische Musikinstrumente gesammelt. Zur Sammlung gehören 600 Synthesizer, über 500 Effektgeräte und mehr als 120 Orgeln. Es sind Sammlerstücke aus den vergangenen 70 Jahren elektronischer Musik. Beispielsweise ein Novachord von Hammond aus dem Jahr 1938 oder ein Mellotron von 1965, ein Gerät, dass Klänge mit verschieden Tonbändern erzeugt.

Ein weiterer Raum in der ehemaligen Brauerei: Hunderte Effektgeräte. Foto: SMEM

Heute erleben analoge Synthesizer wegen des warmen Klangs und der äusseren Ästhetik ein Revival und sind gesuchte und dementsprechend teure Objekte. Trenkles Sammlung hat einen enormen Wert, nicht nur materiell, sondern auch historisch und kulturell.

2017 hat Trenkle seine Sammlung dem Schweizerischen Museum und Zentrum für elektronische Musikinstrumente (SMEM), einer gemeinnützigen Organisation, in Freiburg vererbt. Dort stehen die Geräte nun in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Bierbrauerei. Es ist die grösste Sammlung dieser Art in Europa. Dort sollen die Geräte nicht im Keller verstauben, sondern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Spezielle am SMEM: Besucherinnen und Besucher können die Geräte nicht nur wie in einem konventionellen Museum anschauen, sondern auch selber benutzen, mit ihnen spielen, experimentieren und die schier unendlichen Klangmöglichketen damit erforschen. Musikerinnen und Laien, Erwachsene sowie Kinder, die gesamte Öffentlichkeit kann die Musikinstrumente benutzen und selbständig Sounds kreieren. Gerade für Musiker ist das SMEM nur schon wegen der Vielfalt an Geräten und den unendlichen Möglichkeiten der Klangerzeugung ein Paradies.

Elektronische Klänge faszinieren auch Kinder. Foto: SMEM

Vincent Borcard, einer der Verantwortlichen beim SMEM, hat während den vergangenen Monaten verschiedenste Künstler nach Freiburg eingeladen. Darunter das Duo Yello (Dieter Meier und Boris Blank), Sophie Hunger, Franz Treichler von The Young Gods, Legowelt aus den Niederlanden oder Timber Timbre. «Die Reaktionen waren einstimmig, die Instrumente müssen gespielt werden», sagt Borcard. So sei die Idee des «Playrooms» geboren.

Musikerinnen und Musiker können beim SMEM Arbeitstische mieten und ungestört an ihren Sounds arbeiten und diese für weitere Projekte aufnehmen. Anfängerinnen und Laien wird bei der ersten Session Hilfe angeboten, heisst es auf der Website veim SMEM.

Borcard möchte den Playroom nicht nur als Experimentierfeld für Besucher sehen, sondern auch als Ort für Workshops, Vorträge und Konzerte. «Der Playroom ist ab November zweimal pro Woche für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich», so Borcard.

Das SMEM hat vor wenigen Tagen eine Kickstarter-Kampagne gestartet. Unterstützer können beispielsweise einem Musikstudenten die Jahresmitgliedschaft für den «Playroom» übernehmen oder damit die eigens geschaffene «Waveform» Open Type-Schrift erwerben. Eine neue Schrift, die in der synthesizertypischen Wellenform geschrieben wird. Die Kickstarter-Kampagne läuft noch bis zum 3. Oktober. Die Initianten wollen bis dann 50 000 Franken sammeln. Sie sind auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Veranstaltung: Am 22. September bietet das SMEM einen Drum Machine-Workshop an.

Analoge Waveformen bietet das SMEM auch als Schrift an. Foto: SMEM



Publiziert von Philipp Bürkler am 11.09.2018 19:07 in Hingehen, Hören, Mitmachen, Sehen, Spielen


Keywords: [Elektronische Musik] [Kinder]


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