29.06.2018

Wem gehört das Internet?

Ist das Internet nur noch ein durchökonomisierter Überwachungsapparat? Was passiert, wenn wir Internet-Prinzipien auf unser physisches Zusammenleben anwenden? Solchen Fragen geht die Ausstellung «Re-public» im Käfigturm in der Berner Altstadt auf die (Daten-)Spur.

Schön ist, dass die vom Polit-Forum Bern veranstaltete Ausstellung nicht nur ins Jetzt und nach Vorne blickt. So begleitet einen auf der steinernen Wendeltreppe des Käfigturms ein Zeitstrahl mit wichtigen historischen Meilensteinen unseres heutigen digitalen Alltags. Ein bewusstes Ankommen im Jetzt – für einen Ausstellungsbesuch ein guter Start.

Später in der Ausstellung geben uns die Künstler Olia Lialina und Dragan Espenschied einen Blick ins frühe WWW: Basierend auf Daten des 2007 eingestellten Gratis-Providers GeoCities entführen sie uns in eine vergangene Zeit des Internets, in der man sich eine eigene Homepage, einen wohl sehr amateurhaften, aber doch eigenständigen Ort im Cyberspace baute. Wie gleichgeschaltet wirken dagegen unsere heutigen User-Accounts auf Social-Media-Plattformen.

Skywriting (2014), Olia Lialina/ Dragan Espenschied

 

Die Spannung zwischen dem Erinnerten, was die Menschen einst vom Internet erwarteten, und der eigenen Erfahrung, wie das Internet heute funktioniert, bildet in der Ausstellung ein fruchtbare Konstante.

Begleitet von Text-Tafeln werden wir durch drei Räume mit thematischen Schwerpunkten geführt. Die insgesamt zehn Arbeiten von zeitgenössischen europäischen Künstlerinnen und Künstlern sind inhaltlich stark gewählt und szenografisch gekonnt arrangiert – die mittelalterlichen Gemäuer des Käfigturms bilden zu den Bildschirmlastigen Arbeiten den optimalen Gegenpol.

Film «The Seasteaders» (2018), Jacob Hurwitz-Goodman/Daniel Keller

 

Zuoberst im Glockenturm erwartet einen neben einer inhaltlichen Klammer auch ganz konkrete Macht über persönliche Daten: Die beiden Ausstellungskuratoren Roland Fischer und Raffael Dörig sowie der Polit-Forum-Geschäftsführer Thomas Göttin haben ihre kompletten Facebook-Daten ausgedruckt und zur Ansicht ausgelegt. Ganz schön mutig!

Die seit Mai laufende Ausstellung «Re/public – Öffentliche Räume in digitalen Zeiten» ist noch bis zum Samstag, 7. Juli geöffnet. Die im Laufe der Ausstellung gehaltenen Podiumsdiskussionen sind teils auf dem Youtube-Kanal des Polit-Forums Bern zu sehen.

 

Finissage mit Rückblick, Ausblick und Apéro: SA 7. Juli, 15.30–17 Uhr

 

(Beitragsbild: Faces (2018), Ivon Chabrowski/Nicolas Rupcich)



Publiziert von Martina Kammermann am 29.06.2018 15:30 in Hingehen, Nachdenken, Sehen




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