08.06.2018

Das Andere im Eigenen

Cut and Paste: Die Kunst des Samplings ist tief in unserer Popmusikkultur verankert – und sorgt immer wieder für Gerichtsprozesse. Wo hört das Zitieren auf und fängt das Klauen an?

Kopie, Zitat, Sample, Remix, Hommage, Plagiat – diese Begriffe sind in den Künsten schwer auseinanderzuhalten, und in der digitalisierten Welt erhalten die Fragen nach Urheberrecht und geistigem Eigentum nochmals ganz neue Dimensionen.

Im gelungenen Beitrag «Geschichte des Samplings – Diebstahl oder Verbeugung?» spürt die Sendung «Nachtstudio» vom Bayrischen Rundfunk dem Phänomen des Samplings in der Popmusikgeschichte nach und zeigt auf, wie tief die künstlerische Technik des «Cut-and-Paste» in der gesamten westlichen Popkultur verankert ist.

Die Geschichte des Samplings ist auch eine technische Geschichte: Vom Mellotron über den Fairlight Sampler zum PC zum I-Pad (im Gegenuhrzeigersinn). 

 

Im Beitrag führt uns Kulturjournalist Jens Balzer in einer nicht-chronologischen Zeitreise von zur Erfindung des Breakbeats, zu geloopten Flötenklängen der Beatles bis zu den simultanistischen Gedichten des Dadaismus. Gleichzeitig lernen wir das Sampling als zentrale Kunstform der Bewahrung, Tradierung und Weiterentwicklung schwarzer Minderheitskultur kennen.

Es lohnt sich, im etwas didaktisierenden erste Drittel geduldig zu bleiben: Die Sendung kommt bald ins Rollen und gibt einen umfassenden, inhaltlich anspruchsvollen Musikgeschichtlichen Einblick in die Kulturtechnik des Sampelns. Dabei bringt sie einem der feinen, schwimmenden Grenze zwischen einer künstlerischen wertvollen Neuverarbeitung bestehender Werkfragmente und deren Missbrauch so nahe wie eben möglich.



Publiziert von Martina Kammermann am 08.06.2018 12:02 in Hören


Keywords: [Urheberrecht]


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