31.05.2018

Roboter: Sie «leben» längst unter uns

Roboter bestimmen unseren Alltag: Im Haushalt, als Spielzeug, im Büro oder sogar als Begleiter bis in den Tod. Die Ausstellung «Hello, Robot» im Gewerbemuseum Winterthur zeigt derzeit die vielfältigen Formen von Robotern.

Der Roboter in Menschengestalt. Freund oder Feind? Werden Roboter uns einst ersetzen oder uns im Alltag behilflich sein? © Yves Gellie, Galerie du jour agnès b, Galerie Baudoin Lebon

Hollywood hat unsere Vorstellung von Robotern während der vergangenen Jahrzehnte massgeblich geformt. Zahlreiche Science Fiction-Filme seit den 1960er-Jahren stellen Roboter als blecherne, menschenähnliche Kreaturen dar, die, wie der Terminator, der Menscheit böse gesinnt sind oder als liebenswürdig und niedlich sind wie Wall-E, der 700 Jahre in der Zukunft in einer von den Menschen vermüllten Welt herumirrt.

Die Ausstellungsmacher fragen die Besucher denn auch gleich zu Beginn: «Sind Sie schon einmal einem Roboter begegnet?» Wegen der typischen Hollywood-Vorstellung würden die meisten Menschen mit nein antworten, sagt Ausstellungskuratorin Amelie Klein. Wären sich die Menschen jedoch bewusst, was Roboter wirklich sind und wo in unserer Gesellschaft sie bereits zu finden sind, würden wahrscheinlich 100 Prozent die Frage mit einem klaren Ja beantworten. «Auch ein Bancomat und unser Smartphone sind letztlich nichts anderes als Roboter», erklärt Klein.

Die verschiedenen Erscheinungsformen und Möglichkeiten im Alltag den Besuchern näher zu bringen, ist der Anspruch der Ausstellung «Hello, Robot Design zwischen Mensch und Maschine» im Gewerbemuseum Winterthur. Neben unzähligen ausgestellten Robotern, geht es vorallem auch um ethische Frage, beispielsweise um das Auslagern der Betreuung alter Menschen an Maschinen oder der menschlichen Liebe zu Robotern.

Zusehen ist unter anderem Paro. Der putzige Roboter sieht aus wie ein Seehund. Er kann gestreichelt werden und bewegt dabei sanft seine Pfoten und gibt wohlwollende Laute von sich. Vor allem in Japan wird Paro bereits in Altersheimen bei der Betreuung eingesetzt. Alte und demenzkranke Menschen merken vielleicht nicht, dass Paro nicht aus Fleisch und Blut ist. Doch? Dürfen wir die Zuneigung zu alten Menschen einer Maschine überlassen?

Eine weitere ethische Frage befasst sich mit der Liebe zu Robotern. Können wir Menschen eine Maschine lieben? Wie weit Liebe mit Maschinen durch den Magen geht, zeigt das Beispiel des japanischen Ehepaars Sakurai. Das Paar hat mehrere Roboter-Hunde. Die Plastik-Hunde mit dem Namen «Aibo» wurden von Sony zwischen 1999 und 2006 hergestellt und konnten mit diversen Programmen bespielt werden, so dass sie sich durch künstliche Intelligenz immer mehr dem Besitzer anpassten. So wie ein echter Hund eben, der immer zutraulicher wird und sich freut, wenn Frauchen oder Herrchen nach Hause kommt.

Da Sony die Hunde nicht mehr herstellt oder repariert, müssen sich Sakurais damit abfinden, dass ein Hund nach dem anderen allmählich den «Geist» aufgibt. In der Ausstellung sieht man ein Foto, auf dem das Ehepaar eine Art Trauerfeier für die bereits «toten» Hunde abhält. Eine befremdliche und gleichzeitig faszinierende Vorstellung.

Der Roboter als bester Freund des Menschen? «Aibo» verhält sich wie ein echter Hund und weckt bei Menschen Gefühle. © Sony / Foto: Andreas Sütterlin, 2016

Ein weiterer Roboter, ein Prototyp, wurde erfunden, um einsamen sterbenden Menschen Mut zu machen. Der Roboter ist so programmiert, dass er den Sterbenden oder Schwerkranken den Arm streichelt und ihnen sagt, «du bist nicht alleine, ich bin hier und deine Familie denkt an dich». Ist eine solche Maschine ethisch vertretbar? Dürfen wir Sterbebegleitung einer Maschine überlassen?

Thematisiert werden auch die möglichen Folgen der Robotisierung auf unsere Arbeitsplätze. Nehmen Roboter uns die Arbeit weg oder ersetzen sie uns letztlich ganz? Tatsächlich glauben Wissenschafter wie der Amerikaner Raymond Kurzweil, dass Maschinen schon sehr bald intelligenter sein werden als wir Menschen. Forscher sprechen von der Singularität, jenem Moment, in dem die Maschine schlauer ist als wir Menschen. Ziemlich dystopische und finstere Aussichten für unsere Welt.

Gestaltet hat die Ausstellung das Vitra Design Museum in Kooperation mit dem MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartkunst und dem Design museum Gent. Die Ausstellung tourt währrend insgesamt fünf Jahren durch verschiedene europäische Städte. Winterthur ist dabei die erste Station in der Schweiz. Die Ausstellung dauert noch bis zum 4. November 2018.

Veranstaltungen: Am 7. Juni gibt es eine Lectureperofmance. Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn, Prof. Dr. am Deutschen Seminar der Universität Zürich, erzählt Roboter-Geschichten aus zwei Jahrhunderten und der St. Galler Musiker Marcel Gschwend aka Bit-Tuner gestaltet den Soundtrack dazu.

 

Interview mit Amelie Klein, Kuratorin am Vitra Design Museum Weil. Sie hat die Ausstellung „Hello, Robot.“ mitgestaltet. Dominik Landwehr sprach anlässlich der Eröffnung der Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur am 19.5.2018 mit der Kuratorin. Foto Dominik Landwehr.



Publiziert von Philipp Bürkler am 31.05.2018 11:35 in Hingehen, Sehen


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