07.05.2018

Lösch Dich! So organisiert ist der Hate im Netz

Spätestens seit der Wahlkampagne von Donald Trump ist Hass im Internet ein grosses Thema. „Lösch Dich. So funktioniert der Hate im Netz“ heisst eine 40-minütige Dokumentation, die zur Zeit für Gesprächsstoff sorgt. Sie ist seit Ende April online und wurde bereits fast eine halbe Million mal angeklickt.

Lösch Dich! So organisiert ist der Hate im Netz – Coverfoto der YouTube-Doku. Bild: PD

Für die Dokumentation haben der Youtube-Aktivist Rajk Anders und der Journalisten Patrick Stegemann mit einer ganzen Gruppe von weiteren Helfern ein Jahr lang die rechte Szene im Netz auskundschaftet. Sie gaben sich dabei als Angehörige dieser Szene aus und wurden bereitwillig integriert.  Wichtigste Feststellung: Die Hass-Kampagnen der Rechten werden von organisierten Internet-Trollen ausgeführt, sie gehen systematisch vor und sind straff hierarchisch organisiert, teilweise werden sogar militärische Begriffe benutzt. Wer sich besonders engagiert kann in diesem Netzwerk schnell aufsteigen und wird zum Beispiel zum ‚Memelord‘ oder ‚Feldjäger‘. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein Netzwerk namens „Reconquista Germanica“.

Die Dokumentation ist seit dem 27.April 2018 auf Youtube zu sehen und verzeichnet bei Abfassung dieses Beitrages am 7.Mai 2018 bereits über 470 000 Zugriffe. Besonders interessant aus Schweizer Perspektive sind auch die Rahmenbedingungen, unter denen die Doku entstand: Sie ist wurde von der Produktionsfirma ‚Kooperative Berlin‘ im Auftrag von ‚funk‘ gedreht. ‚funk‘ wiederum ist ein Youtube-Kanal von ARD und ZDF, der mit eigens hergestellten Inhalten speziell auf die 15 bis 29jährigen zielt.

„Lösch Dich. So funktioniert der Hate im Netz“ war auch Thema an der re:publica, die vom 2. bis zum 4.Mai 2018 in Berlin stattfand: Die Macher diskutierten ihre Erfahrungen in einem kurzfristig angesetzten Panel vor vollen Rängen. Dabei wurde auch der deutsche Satiriker Jan Böhmermann zugeschaltet, der seinerseits ebenfalls Erfahrungen mit den Hass-Netzwerken gemacht hat. Die Diskussion wurde aufgezeichnet und kann auf dem YouTube-Kanal der re:publica angeschaut werden.

Die Macher der YouTube-Doku an der re:publica 2018. Foto Dominik Landwehr

Die Halle 1 der re:publica 2018 war bis auf den letzten Platz gefüllt. Foto Dominik Landwehr



Publiziert von Dominik Landwehr am 07.05.2018 09:53 in Hören, Nachdenken, Sehen


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