23.04.2018

Präraffaelitisches Netzwissen

Können Tweets Literatur sein? Ein Berliner Kleinverlag wagt das Experiment – immer wieder eigenwillig und aufs Neue.

Der 2012 gegründete Frohmann Verlag konzentriert sich auf neue kulturelle Formen wie genuin digitale Literatur und kollaboratives Schreiben im Netz. Seit 2016 gehören auch Kürzesttextsammlungen zum Programm, in denen Twitter- oder sonstige Kurzmeldungen aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst werden. Die neuste Erscheinung dieser Reihe  «Kleine Formen» ist das Buch «Präraffaelitische Girls erklären das Internet».

Eine Kostprobe der insgesamt 140 Bild-Text-Kombos:

 

«Präraffaelitische Girls wussten: Ästhetisierung hieß, in Jogginghose und mit einem Stück Pizza in der Hand auf der Couch liegend so zu twittern, als säße man nackt auf einem weißen Pferd.»

 

 

«Dieser Twittertypus, der einen blockte, nachdem man ihn entfolgt hatte.»

 

 

«Supersad und entschlossen ließ sie ihr XXL-Shirt über die rechte Schulter gleiten und loggte sich bei Tumblr ein.»

 

 

«ignorier das neue Hashtag, liebling, ignorier es … klick einfach nicht hin.»

 

 

»Später begriff ich, dass ich mich im netz so ausdauernd als heiß inszenierte hatte, um weniger innere Kälte zu spüren.«

 

 

»Viele glauben, bei unserem netzwerk ginge es um menschen, dabei wollen wir nur Kohle und Fame.«

 

 

«Bei jeder Gelegenheit zu Selfies mit anderen genötigt und dann getaggt werden – sie wollte das nicht mehr.»

 

 

«Das Internet implodierte, als Ödipus auf Tinder Iokaste matchte.»

 

 

«Den ganzen Tag im inneren Schlafanzug bleiben»

 

 

«Präraffaelitische Girls wussten: eigentlich wollte man auch digital wieder nur allein, aber nicht einsam sein.»

 

Mehr davon?

Christiane Frohmann: Präraffaelitische Girls erklären das Internet. Frohmann Verlag, Berlin. 75 Seiten. Fr. 53.90

Mehr Infos zum Frohmann Verlag gibt es hier.

 



Publiziert von Martina Kammermann am 23.04.2018 14:07 in Lesen, Nachdenken




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