04.04.2018

Das digitale Unbehagen wird stärker – aktuelle Publikation

Facebook, Google und andere Giganten im Netz verfügen über riesige Mengen an Daten über ihre Nutzer. Das gibt seit einigen Wochen wieder zu reden. Allerdings ist es ein altes Problem. Eine Publikation aus dem Kunsthaus Langenthal thematisiert diese Frage auf breite Art.

Dass die Firma Cambridge Analytica mit der gezielten Auswertung von Nutzerdaten von Facebook in den US Wahlkampf eingegriffen hat, ist mittlerweile unbestritten. Auch Google verfügt über ähnlich viele Daten und deren Nutzung ist Teil des Geschäftsmodells. Bis zu einem gewissen Grad kann man sich dagegen zwar wehren – ein Grossteil der User dürfte aber darauf verzichten.

Nun ist das alles nicht neu – nur hat die Empörung darüber mittlerweile ein richtig breites Publikum ergriffen. Raffael Dörig, Fabio Parisund Domenico Quaranta haben das in ihrer Ausstellung „Raus aus dem digitalen Unbehagen“ im Kunsthaus Langenthal 2017 thematisiert. Nun liegt auch der Ausstellungskatalog vor, der diese Fragen noch einmal aufgreift, herausgegeben von Raffael Dörig und Domenico Quaranta.

„Was wir hier zu beschreiben versuchen, sind die Folgen eines langen Prozesses, der in den späten 1990ern mit der Kommerzialisierung des World Wide Web begann. Nach dem Platzender Dotcom-Blase begann der Aufstieg des Google-Imperiums und zeitgleich eine massive Verstärkung der Online-Überwachung durch Geheimdienste als Antwort auf 9/11. Es folgte die Verbreitung von Breitband und Wifi, und die Geburt von Social Media. Facebook wurde 2004 gegründet, das erste iPhone 2007 verkauft. Gadgets wurden Mainstream-Popkultur, und gleichzeitig macht sich Ernüchterung breit.“

Im rund 200 Seiten starken Buch kommen neben den Kuratoren eine Reihe von Medien- und Kulturwissenschafter zur Rede: Paul Feigelfeld, Claire Hoffmann, Marie Lechner und Felix Stalder. Letzterer kommt zu einem ernüchternden Schluss: „Es hilft nichts. Der Zug ist abgefahren, der Kipppunkt überschritten. Die Kultur der Digitalität ist die Form unseres Lebens.“

Neben den theoretischen Aufsätzen ist auch die kurze Beschreibung der Werke, die 2017 in der Ausstellung gezeigt wurde, interessant – die Liste ist eine Art „Who is Who“ der Medienkunst mit Namen wie Aram Bartholl, Zach Blas & Jemima Wyman, James Bridle, DISNOVATION.ORG, Olga Fedorova, Benjamin Grosser, Hackteria, Jodi, Olia Lialina, Julian Oliver, Trevor Paglen, Peter Sunde, Christoph Wachter & Mathias Jud.

Ausstellung und Publikation wurden 2017 vom Migros-Kulturprozent unterstützt.

Raffael Dörig und Domenico Quaranta: Raus aus dem digitalen Unbehagen.
Mit kritischen und lösungsorientierten Essays zur digitalen Medienkultur. Mit Beiträgen von Raffael Dörig, Paul Feigelfeld, Claire Hoffmann, Marie Lechner, Domenico Quaranta und Felix Stalder. Basel Christoph Merian Verlag 2018.

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Publiziert von Dominik Landwehr am 04.04.2018 10:12 in Lesen, Nachdenken


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