12.02.2018

Im Black Cube: Skalar

Der Tipp spricht sich momentan auch in der Schweiz schnell herum: Wenn du nach Berlin gehst, sieh dir SKALAR an.

«Skalar» ist eine audiovisuelle Grossrauminstallation des Berliner Künstlers und Mediadesigners Christopher Bauder und des französischen Musikers und Produzenten Kangding Ray. Christopher Bauder arbeitet mit Licht als Material und ist fasziniert von den Emotionen, die Licht auslösen kann. Kangding Ray vereint experimentell Techno und Klangexperiment.

Zusammen haben die beiden Künstler eine technisch raffinierte Licht- und Klangskulptur speziell für das Kraftwerk Berlin geschaffen. (Der wuchtige, kathedralenartige Industriebau ist schon an sich einen Besuch wert.) Mittels kinetischen Spiegeln, synchronisiertem Licht und komplexem Sounddesign entsteht eine audiovisuelle Erzählung, deren poetischer Kraft man sich kaum entziehen kann.

Das Skalar-Publikum verstreut sich frei im grossen dunklen Raum. Viele sitzen am Boden, einige liegen, andere lehnen an die Wand. Zentriert über allen schweben wie magisch die runden, tellerartigen Elemente, die Lichtstrahle reflektieren oder selbst aussenden. Die Stimmung ist andächtig. Das Lichterspiel nimmt einen ein, die Gedanken kreisen. Nur ab und zu erinnern Scheinwerfer daran: He, wir sitzen hier gemeinsam.

Die szenografische Dimension ist fast so interessant wie das Werk selbst. Statt im White befindet man sich in einer Art Black Cube, einer unwirklichen Parallelwelt: Hier wird Kunst zu einem Ort der Zusammenkunft, einem Raum, in dem sich Einzelne gleichberechtigt bewegen und begegnen.

Die etwa 35-minütige Performance läuft in Dauerschlaufe von nachmittags bis spätabends. Man kann bereits nach einer halben Stunde wieder gehen, oder auch stundenlang sitzen bleiben, picknicken, auch auf dem Smartphone rumwischen – perfekte Bedingungen also für ein heutiges Stadtpublikum im Dauerinforausch.

«Skalar» wurde anlässlich des CTM Festival for Adventurous Music and Art aufgebaut. Das Festival findet jährlich jeweils parallel zur Berliner Transmediale statt und widmet sich in mehreren Clubs und Kulturhäusern in Berlin der zeitgenössischen elektronischen und experimentellen Musik und audiovisuellen Künsten.

 

Einen Video-Einblick der Berliner Zeitung:

Die Installation Skalar ist noch bis zum 25. Februar zu sehen. Die Live-Performances am 24.2. sind bereits ausverkauft.



Publiziert von Martina Kammermann am 12.02.2018 14:16 in Hingehen, Nachdenken


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