01.02.2018

Compressorhead – Die Punk-Roboter aus Berlin

Können Roboter Musik machen? Ja, können sie. Compressorhead aus Berlin sind nicht nur Roboter, sondern auch die wohl schwerste Heavy Metal Band der Welt. Alleine der Sänger Mega-Wattson wiegt 350 Kilogramm.

Der sympathische Sänger Mega-Wattson.

Neben Mega-Wattson besteht die Band noch aus vier weiteren Robotern. Bones spielt Bass, Fingers Gitarre, Stickboy ist der vierarmige Schlagzeuger und Helga Tarr ist Gitarristin. Gebaut wurden die Roboter von den drei in Berlin lebenden Künstlern Markus Kolb, Frank Barnes und Stock Plum. In einer zum Studio umfunktionierten Autowerkstatt in Berlin-Spandau werden die Roboter gebaut und proben zusammen. Frank Barnes sitzt hinter einen Laptop und schaltet die Roboter ein. Mega-Wattson fängt an sich zu bewegen und dann kracht die Gitarre von Helga Tarr über die Lautsprecher. Die Hydrauikmusiker aus Metall, Schrott, Rohren, Blech und Kabeln fangen an sich zu bewegen und rocken die Halle.

Gitarristin Helga Tarr

«Wir haben vor zehn Jahren den ersten Roboter gebaut», sagt Frank Barnes. 2007 war der Drummer Stickyboy der este musikmachende Roboter. Das erste Konzert als ganze Band hätten sie schliesslich 2013 in Australien gegeben zwischen den Konzerten von Red Hot Chilliy Peppers und The Killers vor 30 000 menschlichen Zuschauern. Bisher haben Compressorhead vor allem Coversongs von Motörhead, AC/DC und den Ramones gespielt. Im vergangenen November ist nun das Debut-Album «Party Machine» mit eigenen Songs erschienen. Das Album erstaunt musikalisch und klingt tatsächlich wie eine Hevy-Metal-Band. Ganz ohne menschliche Hilfe geht es aber nicht: Für den Sound hat sich Compressorhead den Rocker John Wright von The Hanson Brothers geholt. Die 14 Songs für das erste Album stammen aus seiner Feder.

 

Video der Performance von Compressorhead in Berlin-Spandau

Der Roboter-Sänger Mega-Wattson hat einen Lautsprecher im Gesicht  eingebaut aus dem Wrights Stimme ertönt, die der Roborter dann wiederum in ein Mikrofon abgibt. Der Gitarist verfügt über  78 Hydraulikfinger, um die sechs Saiten der Fender-Gitarre richtig zu treffen. «Bassist Bones ist einmal von der Bühne gefallen. Wir haben ihn wieder hoch gehoben und er spielte weiter als ob nichts gewesen wäre», sagt Barnes.

Die Material- und Transportkosten sind hoch: Alleine der 350-Kilo-Koloss Mega-Wattson kostete 290 000 Euro. Geld, das die drei Künstler mit Crowdfungig auftreiben. Teuer sind auch die Transportkosten für Konzerte. Für die Show in New York City hat der Flug mit dem tonnenschweren Material 120 000 Euro gekostet. Das Geld kommt von den Veranstaltern und über Crowdfunding. Mittlerweile sind Compressorhead weltweit so bekannt, dass sie auch von Diktatoren gebucht werden. «Der Präsident von Kirgistan wollte, dass wir bei ihm an einer Privatparty spielen, wir haben abgesagt, für alles geben wir uns nicht her.» Barnes ist eben ein Punk, genauso wie seine Roboter.

Auf Facebook haben Compressorhead bereits mehr als 30 000 Fans. Zurzeit plant Barnes mit Compressorhead eine Tour. «2018 kommen wir mit Compressorhead für ein oder zwei Konzerte in die Schweiz», sagt Frank Barnes.

Bones ist der weltweit erste nichtmenschliche Bassspieler einer Metal Band.



Publiziert von Philipp Bürkler am 01.02.2018 19:49 in Hören, Sehen


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