15.01.2018

Schweizer Kultureinrichtungen setzen auf Blogs

Es gibt Stimmen, die erklären das Medium Blog schon für veraltet. Nein –  sagen Schweizer Museen und Bibliotheken und beweisen das Gegenteil

Den originellsten Ansatz hat wohl die ETH-Bibliothek in Zürich: Sie verbindet nämlich den Blog mit einem Crowdsourcing Projekt und sucht nach Kommentaren und Informationen zu Bildern aus dem Archiv. Und schafft es, im Wochenrhythmus kleine Schätze aus dem Bildarchiv zu präsentieren: Passend zur Ski-Saison in Bild vom Lauberhornrennen aus dem Jahr 1959 oder ein Bild mit zwei berittenen Polizisten im Vorfeld der Sommer-Olympiad 1960 in Rom.

Vorbereitung auf die Sommerolympiade in Rom

Auch beim Schweizer Nationalmuseum – immer noch als Landesmuseum bekannt – hat man hohe Anspräche und veröffentlicht  kleine wissenschaftliche Aufsätze von kompetenten Autoren im Blog des Museums. Ins Auge gestochen ist uns ein Aufsatz zur Geschichte der Mobiltelefonie in der Schweiz aus der Feder von Juri Jaquemet, dem Sammlungskurator des Museums für Kommunikation. Felix Graf, freier Kurator, schreibt über Suppenkultur, und der Geschichtsdidaktiker Kurt Messmer macht sich Gedanken über die Qualität der historischen Daten.

Als das Handy noch Natel hiess und mehrere Kilos wog.

 

Einen Blog gibt es auch auf den Seiten des Kunstmuseums Bern zu entdecken – das Museums macht ja gegenwärtig mit einer Ausstellung der Gurlitt-Sammlung von sich reden. Das Tempo ist hier etwas langsamer: Der letzte Eintrag stammt vom Oktober 2018 – es geht dabei um ein Gruppenbild des Sammlerpaar Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler – deren Sammlung bis auf weiteres nicht mehr in Winterthur, sondern in Bern präsentiert wird.

Die hohen Zeiten des Blogs vor rund zehn Jahren sind vorbei – zu diesem Schluss kommt ein aktueller Artikel auf dem Portal der Zeitschriftensammlung von jstor: „2017 is a very different world than 2007. Today is noisier and people’s attention spans shorter than any other time in history…and things are only getting worse. Facebook counts a ‘view’ as 1.7 seconds and we have 84,600 of those in a day. Your new blog isn’t equipped to compete in this new attention-deficit-disorder Thunderdome.“

Lassen wir uns nicht irre machen – mit einem Blog werden die oftmals statischen Seiten eines Museums aufgewertet – Blogs ergänzen die Publikationslandschaft in idealer Weise, sie sind einfach zu gestalten und erlauben es, Informationen aus einem spezifischen Feld ans Publikum zu bringen. Allerdings verkaufen sich auch die Blogs nicht mehr von allein: Die meisten Institutionen kommunizieren denn ihre Blogs auch via Facebook.



Publiziert von Dominik Landwehr am 15.01.2018 15:15 in Lesen, Nachdenken




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