23.11.2017

Gurlitt-Sammlung online

Es war der grösste Kunstfund der letzten Jahrzehnte: Die bayrische Polizei beschlagnahmte im November 2013 über 1500 Kunstwerke, die dem Sammler Cornelius Gurlitt gehörten (1932 – 2014). Mittlerweile ist klar: Mindestens ein Teil der Werke Raubkunst. Mit dem Internet wird nun nach den rechtmässigen Besitzern gesucht.

Claude Monet (1840 – 1926) – Waterloo Bridge London 1903 Kunstmuseum Bern. Legat Cornelius Gurlitt 2014, Provenienz in Abklärung / aktuell kein Raubkunstverdacht.

 

 

Es war eine Summe Geld – die Rede ist von 9000 Euro – welche die Polizei im November 2014 zu dieser Sammlung führte: Der betagte Kunstsammler Cornelius Gurlitt hatte das Geld aus dem Verkauf eines Bildes gelöst und war auf dem Weg von Bern, wo er den Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld getroffen hatte, nach München. An zwei Standorten fand die Polizei dann eine Kunstsammlung mit über 1500 Werken. Die Sammlung wurde beschlagnahmt, der Verdacht, dass hier Raubkunst dabei sein könnte, lag nahe.

Der Sammler Cornelius Gurlitt hatte diese Werke von seinem Vater, Hildebrand Gurlitt, geerbt. Dieser organisierte im Auftrag von Adolf Hitler den Verkauf der Werke der so genannten Entarteten Kunst, die man in den 30er Jahren den deutschen Museen weggenommen hatte. Dies betrifft jedoch nur einen Teil der Sammlung – ein weiterer Teil hatte Hildebrand Gurlitt selbständig gesammelt.Cornelius Gurlitt verstarb 2014 und vermachte seine gesamte Sammlung dem Kunstmuseum Bern. Zusammen mit dem deutschen Staat muss das Museum nun, die Besitzverhältnisse klären.

Die Bundeskunsthalle in Bonn und das Kunstmuseum Bern zeigen Teile dieser grossen Sammlung: In Bern sind jene Werke zu sehen, deren Herkunft geklärt ist. In Bonn sind jene Werke zu sehen, deren Herkunft noch nicht vollständig geklärt ist, ein Teil davon ist möglicherweise auch Raubkunst. Bereits konnten erste Bilder den rechtmässigen Besitzern zurückgegeben werden (Stand November 2017).

Für die Klärung der Besitzverhältnisse spielt das Internet eine wichtige Rolle. Auf der Seite www.lostart.de sind Sammlung und Unterlagen umfassend dokumentiert. Hier sind auch die Abkommen zwischen dem Schweizer Museum und dem deutschen Staat dokumentiert. Die Seite www.bestandesaufnahme-gurlitt.de zeigt die Werke, die in Bonn zu sehen sind.  Die Werke der Berner Ausstellung sind auf der Ausstellungswebsite des Kunstmuseums nur spärlich abgebildet. Das soll aber anders werden, schreibt Maria-Theresa Cano vom Kunstmuseum Bern in einer Mail: «Eine bebilderte Liste des Berner Konvoluts ist in Bearbeitung und wird noch diese Woche aufgeschaltet.Wir arbeiten längerfristig an einer Online-Publikation des gesamten ‚Kunstfundes‘.»

Ausstellung Kunstmuseum Bern: Bestandsaufnahme Gurlitt «Entartete Kunst» – Beschlagnahmt und verkauft. Bis 4.März 2018
Ausstellung Bundeskunsthalle Bonn: Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen. Bis 11.März 2018

Honoré Daumier (1808 – 1879); Hagelstürme im März 1855 Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014, Provenienz in Abklärung / aktuell kein Raubkunstverdacht



Publiziert von Dominik Landwehr am 23.11.2017 20:48 in Hingehen, Lesen, Nachdenken, Sehen




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