09.10.2017

Kultur in Daten: Der GLAM-Hackathon

Mitte September fand in Lausanne der dritte Schweizer Kultur-Hackathon statt: Gemeinsam brüteten Forscherinnen, Geeks und Kreative über Datensammlungen. Ein kurzer Rückblick mit Organisator Beat Estermann.

Zuerst aber ein Halbwissen-Update: An einem Hackathon kommen Softwareentwicklerinnen, Datenprovider und andere interessierte Leute zusammen und arbeiten an Ideen, wie man Daten sinnvoll verwenden könnte – in diesem Fall solche aus Museen, Bibliotheken und Archiven. Heraus kommen Apps, Forschungsansätze, Datenbanken oder auch künstlerische Arbeiten. Das Wichtigste dabei: Man arbeitet interdisziplinär.

Beat Estermann, Organisator des Hackathons, stellt fest, dass der Anlass dieses Jahr eine gewisse Kontinuität erreicht hat: «Es waren zwar noch immer zwei Drittel der insgesamt knapp 100 Teilnehmer zum ersten Mal dabei, doch bei einigen Vorreiterinstitutionen wie zum Beispiel der ETH Bibliothek gehört der GLAM-Hack inzwischen zur Jahresagenda, das bringt einen guten Flow, datentechnisch wie auch personell.»

Neue Datensätze sind das Lebenselexier eines jeden Hackathons. Auch wenn der Informationsfluss stabil ist, sieht Estermann noch viel Luft gegen oben: «Bisher konnten wir etwa siebzig Institutionen dazu bewegen, ihre Daten oder Digitalisate offen bereit zu stellen – potenziell könnten dies aber 600-800 Institutionen sein.»

Zwei Projekte sind Beat Estermann dieses Jahr besonders aufgefallen:

• Studierende aus Lyon brachten die Idee einer automatischen Gesichtserkennung in historischen Fotos ein. Das Projekt entstand im Kontext des Völkerbundarchivs in Genf. Das Ziel: Eine kollaborative Plattform schaffen, mit deren Hilfe Personen auf historischen Bildern identifiziert und mit zugehörigen Informationen verlinkt werden können. Historische Fotobestände könnten so für die Forschung eine ganz neue Bedeutung erlangen.

• Eine andere Gruppe machte sich daran, die Medizingeschichtliche Sammlung des medizinhistorischen Instituts Lausanne mit den Büchern über diese Sammlung zu verknüpfen – ein Prozess, der für etliche Sammlungen auch zum Beispiel im Kunstbereich sehr interessant sein könnte.

Eine Übersicht über alle Projekte gibt es hier.

Foto: Laurent Dubois



Publiziert von Martina Kammermann am 09.10.2017 08:06 in Mitmachen, Nachdenken


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