27.09.2017

Künstliche Intelligenz: Der Roboter als Künstler

Forscher der Universität Konstanz haben einen Roboter entwickelt, der Kunstwerke malt. Die Ergebnisse sind verblüffend. Bisher benötigt der Roboter eine Fotografie als Vorlage für seine Werke. Dank künstlicher Intelligenz soll e-David dereinst aber eine eigene Kreativität entwickeln und eigenständige Bilder malen.

In einem Kellerraum der Universität Konstanz steht e-David, der malende Roboter. Der Raum sieht aus wie ein Künstleratelier, überall hängen Bilder an der Wand und stehen Farbtöpfe auf dem Tisch. Informatiker Thomas Lindemeier, der das Projekt betreut, befestigt vorne am Roboterarm einen Pinsel und weist dem Roboter verschiedene Farbtöpfe zu. Als Vorlage dient e-David ein beliebiges Foto, das er mit dem Pinsel künstlerisch auf der Leinwand umsetzt. e-David malt Landschaften, Porträts und andere abstrakte Motive. Seine Gemälde haben eine eigene Ästhetik.

Für dieses Bild verwendete e-David schwarze India Ink. Das Bild besteht aus rund 15 000 einzelnen Strichen. (Bild von Uni Konstanz zur Verfügung gestellt)

Eine Fotokamera, die an der Wand installiert ist, macht regelmässig ein Foto der Leinwand und gleicht es mit der ursprünglichen Fotovorlage ab. Die Software berechnet darauf selbständig die Pinselstriche, die der Roboter ausführt.

Aber, ist das Kunst? Ersetzt e-David schon bald Künstlerinnen und Künstler? Nein, sagt Thomas Lindemeier. «e-David ist für Künstler lediglich ein neues Tool, das ihre Arbeit erweitert und sie unterstützt.» Der Roboter schaffe ganz neue Möglichkeiten in der Kunstproduktion. So könnte er beispielsweise einfache Malufgaben übernehmen, während sich der Künstler um andere Dinge kümmern könne. «Wir arbeiten viel mit Künstlern zusammen, die sind alle begeistert.» Das Auslagern und fremdproduzieren ist in der Kunst nicht neu. Auch grosse Maler wie Rubens im 17. Jahrhundert hätten ihre Bilder von Schülern und Gehilfen malen lassen und am Ende lediglich die Signatur darunter gesetzt. Auch Andy Wahrhol hat seine Massenproduktion von Kunstwerken grösstenteils ausgelagert.

e-David macht Künstler nicht überflüssig, er bietet ihnen nur neue Möglichkeiten. «Als die Fotografie erfunden wurde, sahen sich Kunstmaler bedroht, heute wissen wir, dass Fotografie eine völlig neue Kunstrichtung ermöglichte, die es vorher nicht gab.» Genauso sei es auch mit e-David, der schon zweimal am internationalen Robot Art-Contest dabei war.

Jackson Pollock diente als Vorlage. e-David hat daraus ein Selbstporträt gemalt. (Bild von Uni Konstanz zur Verfügung gestellt)

Lindemeier und sein Team arbeiten nun daran, e-David noch intelligenter zu machen. In Zukunft soll er nicht nur Bilder aufgrund einer Fotovorlage produzieren, sondern dank künstlicher Intelligenz eine eigene Kreativität entwickeln. «e-David soll dereinst eigene Bilder malen ohne Hilfe eines Menschen», so Lindemeier.

Eine der Künstlerinnen, die mit e-David arbeitet, ist Liat Grayver aus Israel.

Wie e-David arbeitet, sehen Sie in diesem Video.



Publiziert von Philipp Bürkler am 27.09.2017 13:26 in Nachdenken, Sehen


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