06.09.2017

Genf ist Tech-Labor für humanitäre Einsätze

Drohnen in Kriegsgebieten, günstige Bluttests für Afrika, Strom für Flüchtlingslager: Die UNO-Stadt Genf entwickelt sich zu einem dezentralen Labor, in welchem Technologien für humanitäre Einsätze von Menschenrechtsorganisationen und NGO erfunden werden.

Über die ganze Stadt verteilt arbeiten Start-ups und Organisationen sowie die Universität Genf und das Cern an technologischen Lösungen, um die Arbeit von NGO zu erleichtern und effizienter zu machen. Um das in der ganzen Stadt verteilte Wissen zu koordinieren und Synergien zu nutzen haben sich das UNHCR, das Internationale Rote Kreuz, Terre des hommes, Handicap International und das Welternährungsprogramm 2016 zum Global Humanitarian Lab zusammengeschlossen.

Hier einige innovative Beispiele aus dem Global Humanitarian Lab, die bereits in Kriegs- und anderen Krisengebieten im Einsatz sind.

Crowdsourcing Ushahidi

Einer der ersten, die den Nutzen von Technologien für NGO erkannt haben ist Patrick Meier. Der Schweizer ist Experte für Krisen-Kartografie und hat 2009 das Portal Ushahidi ins Leben gerufen. Die Website lokalisiert Tweets, Textnachrichten und Emails von Zivilisten und stellt sie in einer Karte dar. Die Karte zeigt, wo in einem Gebiet Hilfe benötigt wird oder wie die Lage dort ist.

Die Idee hatte Meier während des Arabischen Frühlings 2011. Weder in Syrien noch in Lybien war ein UNO-Mitarbeiter vor Ort, der über die Situation in den Ländern hätte berichten können. Das Gaddafi-Regime in Lybien und Baschar al-Assad in Syrien verwehrten Menschenrechtsorganisationen den Zugang zum Land. Ushahidi ist eine Mischung aus sozialem Aktivismus, Bürgerjournalismus und geographischen Informationen.

2011 rief Ushahidi Aktivisten und Journalisten in Lybien dazu auf, via SMS, Twitter oder anderen sozialen Medien zu berichten, was in ihrem Land vorsich geht. Alle Schilderungen und Augenzeugenberichte wurden gesammelt und in einer Karte dargestellt. Die Karte zeigte welche Gebiete von Gaddafi und welche von Rebellen kontrolliert wurden. Ausserdem konnten Flüchtlingsströme und kaputte Strassen aufgezeigt werden. Ushahidi ist eine Opensource-Anwendung und kann von jederman benutzt werden.

© Video: Wie funktioniert Ushahidi?

Drohnen für Menschenrechte

Beim Erdbeben in Nepal im Frühling 2015, bei dem 8800 Menschen ums Leben kamen, hat das Schweizer NGO Medair Drohnen eingesetzt, um das Ausmass der Katastrophe zu messen. Anhand der Bilder konnte entschieden werden, welches Gebiet am dringendsten Hilfe benötigt. Die Schweiz ist eines der führenden Länder im Bereich Drohnentechnologie. Die Firma Flyability  hat einen sogenannten Gimball entwickelt, mit dem es möglich ist in eingestürzte oder brennende Gebäude zu fliegen. Solche Drohnen könnten schon bald Rettungskräfte nach Erdbeben oder anderen Katastrophen in schwer zugänglichem Gelände unterstützen.

© Flyability-Drohne

 

Günstige Bluttests

Das Unternehmen DBS System entwickelt derzeit ein kleines Gerät für die Blutentnahme. In Gebieten, in denen die Menschen nur schwer Zugang zu Spitälern und ärtzlichen Einrichtungen haben, könnte das sogenannte Hemaxis-Kit schon bald die herkömmlichen Bluttests ablösen.

Patienten können sich mit dem Gerät selber in den Finger stechen. Das tropfende Blut läuft dann in eine Plastikfolie und anschliessend auf ein Stück Papier. Sobald das Blut trocken ist, kann die Probe ins nächste Labor geschickt werden, beispielsweise per Drohne. Das DBS System ist bereits an einigen Orten im Einsatz und wird von Universitäten und NGO benutzt.

© Hemaxis-Bluttest

 

Elektrizität für Flüchtlingslager

Gemäss Angaben der UNO sind weltweit 65 Millionen Menschen auf der Flucht, nur zehn Prozent von ihnen haben Zugang zu Elektrizität. In Flüchtlingslagern brechen Feuer aus, weil Flüchtlinge mit Holz kochen und in dunklen Zeltstädten ohne Strohm gibt es mehr Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Beim CERN in Genf haben Studenten eines Austauschprogramms eine Lösung entwickelt, wie man Strom in Flüchtlingslager bringen kann. Das Projekt OhmPower ist ein günstiges modulares System, das eine effiziente Stromverteilung garantiern soll. Mit der Technologie könnten auch Spitäler, Schulen oder öffentliche Gebäude mit Strom versorgt werden. Das modular aufgebaute System verbindet ein System mit dem nächsten. Bei jedem System, den kleinen Stromboxen, können Geräte angeschlossen und mit Power versorgt werden.

© Aufbau der modularen Ohm Power-Struktur



Publiziert von Philipp Bürkler am 06.09.2017 22:01 in Lesen


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