31.08.2017

Pink Floyd im Museum

Pink Floyd – das ist der Soundtrack der Generation der Babyboomer – und eine der erfolgreichsten Rockbands der Popgeschichte. Eine Ausstellung in London und bald auch in Dortmund ist ihrem Schaffen gewidmet.

 

Plattencover „Pink Floyd: Wish you were here“ von 1975. (Foto Dominik Landwehr)

Die Ausstellung im Victoria & Albert Museum trägt den ironischen Titel „Pink Floyd – their mortal remains“ und ist zunächst mal eine umfassende, multimediale Präsentation des Werkes dieser Rockband. Sie entstand in den spätern 60er Jahren des 20. Jahrhundert – der Name Pink Floyd  ist übrigens eine Reverenz an die beiden  schwarzen Bluesmusiker  Pink Anderson und Floyd Council.

Pink Floyd ist nicht nur eine der erfolgreichsten Bands der Popgeschichte sondern hat mit dem Album „Dark Side of the Moon“ 1973 auch eines der zehn meistverkauften Platten der Musikgeschichte produziert. Die Ausstellung präsentiert eindrückliche Originaldokumente aus dem Schaffen der Band, zeitgenössische Video- und Filmaufnahmen und sorgfältig gemachte neue Videostatements mit Bandmitgliedern und Personen aus ihrem Umfeld und natürlich spielen auch Musikinstrumente und Bühnenrequisiten eine grosse Rolle.

Dass Popmusik im Museum gezeigt wird ist keine Selbstverständlichkeit – das Viktora & Albert Museum hat es bereits mit der David Bowie und Queen vorgemacht und damit weltweites Echo erzeugt. Man kann daran zweierlei ablesen: Erstens ist Popmusik heute Mainstream und ihre Ikonen stehen den Grössen der Klassik nicht mehr nach. Zweitens orientieren sich die Museen heute mehr als früher am Publikumsgeschmack und wollen die Massen ansprechen. Das ist dem Viktoria & Albert Museum bestens gelungen, wer die Schau sehen will, muss im Vorverkauf Tickets kaufen. Entsprechend üppig ist auch der Merchandising-Shop ausgefallen, auch wenn es da neben dem Katalog und den LPs kaum Aufregendes zu kaufen gibt.

Der legendären Analog-Synthesizer EMS VC-3 von 1969. Einer der vielen Synthies, die Pink Floyd verwendeten. (Foto Dominik Landwehr)

Pink Floyd steht auch für die Freude an der neuen Elektronik und den Synthesizern, die in jener Zeit populär wurden. Einige der Geräte sind in der Ausstellung selber zu sehen und an einem Mischpult können sich die Besucher anhand einer Mehrspur-Aufnahme einen eigenen Mix machen. Die Arbeit mit den analogen Synthesizern war enorm zeitaufwändig. Die Band hat sich deshalb immer wieder erlaubt, die Zeit im Studio auszudehnen, auch wenn sie dafür auf zusätzliche Einnahmen verzichten musste. Statt kurze Tracks hat die Band immer wieder episch lange Teppiche abgeliefert und damit sogar Erfolg gehabt.

 

Den legendären Pink Floyd – Sound selber abmischen. (Foto Dominik Landwehr)

Die Ausstellung ist auch auf der visuellen Ebene stark und dafür eignet sich die Band Pink Floyd natürlich hervorragend:  Ihre Plattencovers sind legendär und wurden mit viel Aufwand produziert – im Fall von „Wish you were here“ wurde sogar ein Stuntman engagiert, dessen feuerfester Anzug für das Foto in Brand gesteckt wurde. Vor allem in späteren Jahren hat die Band einen enormen Aufwand für die Bühnenshows getrieben und mit riesigen Requisiten wie etwa aufblasbaren Tieren gespielt, Modelle davon sind in der Ausstellung vertreten.

Plattencover: Pink Floyd „The Division Bell“ von 1994. (Ausstellungsfoto Dominik Landwehr)

Dass die Band nicht nur Freunde hatte, zeigt ein Blick auf den Punk, der in den 70er Jahren entstand – auch als Reaktion auf die elaborierten und raffinierten Sounds jener Zeit. „I hate Pink Floyd“ lautet etwa der Slogan eines Punk T-Shirts aus jener Zeit. Trotzdem: Die Ausstellung ist stark aus dem Innern einer selbstbewussten britischen Musikszene geschrieben und schwelgt doch etwas sehr heftig und unkritisch in vorbehaltloser Begeisterung für die Band, die wohl eines der erfolgreichsten Exportprodukte der britischen Popindustrie ist. Man würde sich zum Beispiel ein paar Überlegungen dazu wünschen, weil die Musik der Pink Floyd und die Popmusik überhaupt so stark von Männern dominiert wird – Frauen tauchen in der Ausstellung selten auf und wenn dann als vorzugsweise schwarze Sängerinnen im Band-Chörli. Trotzdem unbedingt sehenswert – bis Ende September 2017 in London und ab Frühjahr 2018 im Dortmunder U. Lesenswert und umfassend übrigens auch der Katalog der Ausstellung.

 

Pink Floyd – their mortals remains
London, Victoria & Albert Museum

Dortmunder U

Pink Floyd Ausstellung: Finale mit Konzert-Feeling. (Foto Dominik Landwehr)

 



Publiziert von Dominik Landwehr am 31.08.2017 08:48 in Hingehen, Lesen, Sehen


Keywords: [Video]


Ausserdem