11.01.2016

Smartphones: 2 Milliarden Fotos pro Tag

In Zürich findet vom 8. – 12. Januar 2016 „photo schweiz“ statt, die jährliche Werkschau der Schweizer Fotografie.

Wenig zu spüren ist hier aber von der jüngsten Entwicklung in diesem Medium: dem Siegeszug der Smartphone-Fotografie.

Die Einführung der digitalen Fotografie in den 90er Jahren war eine grosse Umwälzung – sie machte das Entwickeln und damit die Fotolabors überflüssig und verdrängte die traditionelle, analoge Fotografie auf einen Nischenplatz. Sie lässt sich aber als Trend deuten, der sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts beobachten lässt: Der Demokratisierung eines Medium: „You press the button, we do the rest“ warb etwa der Kamerahersteller Kodak damals.

Weitere Schritte in die selbe Richtung folgten rasch: Dazu zählt etwa die Erfindung des Kleinbildformats und damit verbunden der Entwicklung von empfindlichen Filmen in den 30erJahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bilder bunt und als in den 60er Jahren die Instamatic Kameras auf den Markt kamen, konnte endlich jedes Kind Fotos machen. Das Fotografieren war einfacher und billiger geworden, aber die Entwicklung der Fotos und das Herstellen von Abzügen war immer noch mit Kosten verbunden. Das änderte sich erst mit dem Siegeszug der Digitalfotografie in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Das wurde damals als grosse Umwälzung angesehen. Aber vieles blieb gleich: Die Digitalkameras unterschieden sich in ihrem Aussehen kaum von analogen Fotoapparaten und auch die Preise waren in ähnlicher Höhe. Das änderte sich erst mit der Einführung der Handy-Fotografie, als die Fotoapparate ins Telefon integriert wurden. Die Bilder, die etwa ab 2002 mit dem Handy aufgenommen werden konnten, waren klein und mit 640 x 480 Pixeln wenig überzeugend.

Heute ist das anders: Fotos, die per Smartphone aufgenommen werden, unterscheiden sich kaum mehr von Bildern, die aus einer einfachen Digitalkamera kommen. Waren Nikon und Canon früher tonangebend in Sachen Fotografie, so sind es heute Apple, Samsung und Sony. Das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel hat in Ende 2015 (Ausgabe 53) einige beeindruckende Zahlen dazu zusammengestellt: Rund zwei Milliarden Fotos werden jeden Tag aufs Internet hochgeladen, auf Flickr, Instagram oder Facebook. Allein bei Facebook kommen täglich 350 Millionen neue Bilder dazu und Facebook ist damit – so der Spiegel – zum gewaltigsten Fotoarchiv der Kulturgeschichte aufgestiegen. 110 Millionen Menschen benutzen ein iPhone, das damit zum beliebtesten Smartphone geworden ist. Die Bilder lassen sich mühelos bearbeiten, dafür sorgen mittlerweile über 45 000 Foto-Apps, die sich online für ein paar Franken erwerben lassen.

What’s next: Schon heute erkennen die Plattformen dank Geolokalisierung Ort und Zeit und ergänzen diese, ohne dass der Benutzer einen Finger krümmen muss. Bald wird die Software auch das Sujet erkennen und die Bildbeschreibung automatisch ergänzen können. Offen ist, was mit diesen unvorstellbaren Mengen an Fotos auf dem Internet passieren wird. Klar ist nur die Methode: Big Data – die Kunst, riesige Datenmengen zu analyisieren. Mit Überraschungen muss gerechnet werden.

photo schweiz 2016
– Spiegel Artikel „Foto Fast Food“ Dezember 2015 (Ausgabe 53)



Publiziert von Dominik Landwehr am 11.01.2016 08:22 in Lesen




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