20.11.2014

Medien-Hype: Roboter der Mediengruppe bitnik bestellt Ecstasy Pillen im Internet

Der «Random Darknet Shopper» ist eine neue Arbeit der Schweizer !Mediengruppe Bitnik, die für die aktuelle Ausstellung der Kunst Halle Sankt Gallen zum Thema Darknet entstand. Der Random Darknet Shopper ist ein Bot (Computerprogramm), der jeden Mittwoch mit einem Budget von maximal 100 Euro – umgerechnet in Bitcoins – im ominösen Darknet einkauft.

Die gekauften Artikel werden direkt in die Kunst Halle Sankt Gallen geliefert. Anfang November kam ein Paket mit 10 Ecstasy-Pillen an. Seither hat die vom Migros-Kulturprozent geförderte Künstlergruppe auch eine grosse Aufmerksamkeit in den internationalen Medien erhalten: SPIEGEL ONLINE, Libération und Daily Telegraph berichten über das Werk.


Die Aktion ist ein Teil der Ausstellung «The Darknet – From Memes to Onionland. An Exploration». In grauen Kästen präsentieren die Künstler Einkäufe, welche ein Programm automatisch im Darknet tätigt. So wurden in den letzten Wochen Universalschlüssel der Feuerwehr von London geliefert, eine Stange Zigaretten aus Moldawien oder ein paar Nike Turnschuhe aus China.

Nun hat die Software ein paar Ecstasy Pillen geliefert. Ist das noch legal? – Ja meinen die Künstler, welche die Frage mit Juristen abgeklärt haben. Der neueste Streich der Schweizer Medienkünstler wurde auch von einer iner Reihe grosser internationaler Zeitungen und Newsportalen thematisiert:

Unter dem Titel «Connecter le darknet au champ artistique» berichtete am 19.November etwa die französische Libération auf mehr als einer Zeitungsseite über die Aktion. Die britische Tageszeitung Daily Telegraph schreibt auf seiner Internetseite: «Shopping list: ecstasy, cloned credit cards, skeleton keys. An art project which uses a computer to buy random objects from the anonymous and underground ‘darknet’ has so far bagged a set of skeleton keys, cloned credit cards, ecstasy pills… and a copy of The Lord of the Rings», auch die deutsche TAZ und SPIEGEL ONLINE schreiben darüber.

Das Darknet – Thema der Ausstellung in der Kunst Halle Sankt Gallen – ist ein geschützter Bereich des Internet. Es erlaubt Kommunikation unter Partnern, die sich nicht identifizieren wollen. Das Darknet wird unter anderem für illegale Transaktionen verwendet. Es ist aber mehr als nur ein Tummelplatz von Kriminellen und hat beispielsweise beim Transfer von Wikileaks Daten eine Rolle gespielt. Gerade für diesen Aspekt des Darknets interessieren sich die Künstlern, die in der Vergangenheit immer wieder mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam gemacht haben.

Die Ausstellung und das Darknet sind auch Thema eines Gespräches mit Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljoj, das Dominik Landwehr am 9.Oktober 2014 in Zürich aufgezeichnet hat.

Mehr zum Thema Bitnik und zum Thema Hacking gibt’s auch im Band 2 der «Edition Digital Culture», der im Herbst 2014 im Christoph Merian Verlag in Basel erschienen ist.

Hier geht’s zur Seite der Mediengruppe Bitnik und zu ausgewählten Medien-Feedbacks

Hier geht’s zur Seite der Kunst Halle Sankt Gallen



Publiziert von Dominik Landwehr am 20.11.2014 15:58 in Lesen


Keywords: [Hacking]


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