17.11.2014

Weihnachts-Karaoke oder Musikspass mit Smartphone, Computer und Tablet

Karaoke hat einen schlechten Ruf. Man denkt sofort an grölende Partygänger, Alkohol und Lärm. Das muss nicht sein. Dank intelligenter Smartphone Apps kann man dem Gesang auch ganz allein frönen. Und es muss nicht beim Singen allein bleiben. Der Vorrat an witzigen Musik Apps ist unerschöpflich.

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Boris Blank mischt seit über 30 Jahren die Szene auf und produziert schräge elektronische Musik, allein oder zu zweit, mit dem Zürcher Performancekünstler Dieter Meier. Mit ihren Sounds hat ihre Band Yello Musikgeschichte geschrieben.

Den Yello-Klang gibt’s seit kurzem auch als App, die sich von jedem ganz leicht bedienen lässt. Sie heisst Yellofier und ist im Handumdrehen installiert. Und wer das Smartphone mit der Stereoanlage verbindet, mischt schon bald satte Sounds mit wummernden Bässen. Wie das Programm im einzelnen funktioniert ist nicht immer ganz klar aber das spielt auch keine Rolle. Hauptsache es macht Spass. Die Songs lassen sich exportieren und aufs Internet laden, der Künstler hat auch einen eigenen Wettbewerb für Kreationen mit seinem Programm am Laufen.

Das Smartphone kann definitiv mehr als nur telefonieren, Musik abspielen, fotografieren und Nachrichten verschicken. Es ist ein richtiges Musikinstrument und ermöglicht kleine Kunststücke, die noch vor zehn Jahren nur mit grossem Aufwand und dickem Geldbeutel möglich waren. Das Spektrum ist dabei riesengross. Am unteren Ende stehen Apps, die keinerlei musikalischen Kenntnisse erfordern. Am oberen Ende finden sich Programme für Profis, die komplexe Software-Synthesizer steuern, beim Noten schreiben helfen und dabei das Geschriebene auch gleich abspielen.
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Unser Interesse gilt dem Segment in der Mitte: Programme, die dem engagierten Laien unterstützen, ihm neue Welten eröffnen und zwischendurch einfach auch mal etwas Entspannung bieten. Zu dieser Kategorie gehört sicherlich der beschriebene Yellofier. Total professionell tönt auch die App Djay 2. Das Programm, das eher für ein Tablet gedacht ist, simuliert die beiden Plattenteller eines DJs. Es funktioniert sehr intuitiv, das heisst man kann praktisch sofort loslegen.

Die raffinierteste dieser Apps für Laien dürfte dabei Garageband von Apple sein. Das Programm wurde ursprünglich für den Mac entwickelt, seit einigen Jahren gibt’s auch Versionen für iPad oder iPhone und Windows. Garage Band ermöglicht die Produktion eines kompletten Songs. Es hilft hier allerdings wenn man eine Vorstellung davon hat, wie überhaupt ein Song produziert wird: angefangen vom rhythmischen Gerüst, über die Melodie und das Arrangement mit verschiedenen Instrumenten und und natürlich braucht es auch einen Songtext für die Stimme…
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Nur auf die Stimme konzentriert sich der Everyday Looper. Das Programm ermöglicht es, sich selber mit der Stimme zu begleiten. Was aufgenommen ist, wird sofort abgespielt und wiederholt, loopen heisst das im Fachjargon. So entsteht im Nu eine mehrstimmige witzige Komposition, wie sie etwa Irene Brügger alias Frölein Da Capo in der Fernsehsendung Giacobbo Müller vorgeführt hat.

Überhaupt, wer singen mag, wird in der Welt des Internets und der Apps schnell fündig. Gross ist das Angebot für die Freunde des Gesangs – sei es nun im Gebiet der Popmusik oder im Gebiet der Klassik. Und egal ob es sich um einen Song von Leonhard Cohen oder Bob Dylan, um ein Lied von Robert Schuhmann oder Franz Schubert handelt:
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Es ist alles da und im Handumdrehen steht ein virtuelles Begleitorchester für die Sängerin oder den Sänger zur Verfügung. Midi heisst das Zauberwort: Midi ist ein Industriestandard für elektronische Musikinstrumente und nichts Weiteres als ein Protokoll oder eine Konvention, die es erlaubt, Musikdaten auszutauschen. Anders als bei MP3 sind die Dateien winzig klein. Sie enthalten ja auch nicht die Musik sondern nur die Anweisung, wie lange etwa welcher Ton mit welchem Register zu spielen ist. interpretiert werden die Daten von der Soundkarte im PC oder Smartphone oder von einem elektronischen Musikinstrument. Alle elektronischen Musikinstrumente, auch ganz billige Keyboards, benutzen heute diese Schnittstelle und lassen sich sofort für den Singspass einsetzen. Mit dem geeigneten Programm – wir haben Sweet Midi ausprobiert – hat man im Handumdrehen ein kleines Begleitorchester für die eigene Stimme. Und hier lässt sich nun wirklich ernsthaft musizieren. In vielen Fällen lassen sich auch die Noten umsonst herunterladen. Und das Begleitorchester verliert nie die Geduld: Die Geschwindigkeit lässt sich mühelos anpassen und auch die Tonhöhe kann problemlos variiert werden.
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Besonders aktuell ist das Singen natürlich in der Adventszeit: Wer im Netz mit Weihnachtsliedern und Midi sucht wird reichlich fündig und einem besinnlichen Abend im trauten Kreise steht nichts mehr entgegen. Wer solche Möglichkeiten vorschnell als Partygags abtut, übersieht wohl das kreative Potential das in ihnen steckt. Die Möglichkeiten scheinen unerschöpflich. Allerdings braucht es drei Voraussetzungen für diese Welt: Die Freude an der Musik. Sie lässt sich nicht herunterladen. Das gilt auch für die nötige Zeit um zu pröbeln und zu experimentieren. Und am wichtigsten wohl: Es braucht Geduld. Denn trotz aller elektronischer Hilfen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Links
Yellofier: http://www.yellofier.com
Everyday Looper: http://www.mancingdolecules.com/everyday-looper
Djay 2: https://www.algoriddim.com/djay-ipad
Garageband von Apple: http://www.apple.com/de/ios/garageband/
Sweet Midi: http://www.ronimusic.com/swmipl.htm
Pop, Rock Songs als Midi Files: https://freemidi.org/
Klassische Musik als Midi Files: http://www.cipoo.net/
Noch mehr klassische Musik: http://www.impresario.ch/karaoke/



Publiziert von Dominik Landwehr am 17.11.2014 09:44 in Lesen


Keywords: [Elektronische Musik]


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