08.09.2014

Ars Electronica 2014: Mitten in die Stadt und näher ans Publikum

Ein grosses C in einem Ei – das ist die Visualisierung des Mottos der diesjährigen Ars Electronica: «…what it takes to change». C steht für Change, aber auch für Creativity und Community und eine Reihe weiterer Schlüsselbegriffe.


Das Gravitationszentrum der diesjährigen Ars Electronica lag mitten in der Altstadt der Donaustadt. Genauer gesagt in den Linzer-Arkaden, einem kleinen Einkaufszentrum. Hier entdecken wir in einem Teeladen beispielsweise einen Bildschirm mit einem Video des Aktivisten Bunker Roy aus Indien.

Er bringt seit über 40 Jahren Licht in indische Dörfer mit seinen Solarkits. Wenig weiter in einem Porzellangeschäft entdecken wir die filigranes Roboter-Skulpturen von John Hathway. Nur wenig später kommt eine Art Flashmob ins Einkaufszentrum «Lipdub» heisst die Aktion zum Mitmachen.

Das Festival ist nicht zu übersehen in der Innenstadt. Es verzichtet dafür auf spektakuläre Inszenierungen. Gleich neben dem Einkaufszentrum liegt das Akademische Gymnasium. Hier ist ein grosser Teil der Ausstellung zu sehen, so etwa die irritierenden Skulpturen «Buddha on the Beach» aus Korea. Und auf einem Stockwerk entdecken wir den Ingenieur Gerhard Nussbaum vom Kompetenznetzwerk KI-I / AT). Nussbaum ist selber im Rollstuhl und steuert mit seinem Mund einen Miniatur-Quadrocopter steuert. «Es gibt zu wenig Spielzeuge für Behinderte», erklärt er uns im Gespräch.

Das Konzept «näher ans Publikum» scheint aufgegangen zu sein: 86 000 Besucher verzeichnete die Ars Electronica 2014. Am Zuschauerrekord hat aber auch das schöne Spätsommerwetter seinen Anteil, das punktgenau zum Auftakt der Ars Electronica am Donnerstagmorgen einsetzte.

Wenn am Montag die Schule beginnt, sind die Ausstellungen und Workshops noch da. Gut so, meint man bei der Direktion. Ein erstklassiges Lernfeld gleich zu Beginn des Schuljahres. Der Besucher staunt. Hier wird nicht ein exotisches Festival abgefeiert, hier ist die ganze Stadt dabei. Nicht erst seit gestern sondern schon seit 1979. Die Ars Electronica ist zum Markenzeichen der Stadt geworden und längst mehr als nur ein Festival. Am Donauufer steht das Ars Electronica Center, dessen Lichtfassade einen städtebaulichen Akzent setzt. Das Museum ist ganzjährig geöffnet. Und das dort ansässige Futurelab produziert nicht nur innovative Ideen, sondern setzt sie auch in Produkte um: «Ars Electronica Solutions» heisst die neue Abteilung. Verkaufsrenner ist das Quadrocopter-Ballet, das mittlerweile fast auf der ganzen Welt zu sehen war. Ein anderes aktuelles Beispiel ist die Smartphone App «Beehive»: Eine Plattform zum Upload von Zuschauer-Videos, die sich geografisch und zeitlich abbilden lassen.

Schönes Beispiel für die Integration in die Stadt ist auch die Ausstellung im Linzer Dom: Hier sind eine Reihe von aufwendigen Installationen zu finden. In einem Seitenaltar stehen etwa die Tonbandmaschinen des japanischen Künstlers Ei Wada, die mit Ballons verbunden sind.

Die Ars Electronica findet den Weg zum Publikum, dafür steht auch der Jugendwettbewerb «U19 – Create your World», dem auch dieses Jahr wieder viel Platz gewidmet ist. Kinder und Jugendliche werden speziell angesprochen, sei es mit eigenen Ausstellungen wie etwa den «Cinekid»Installationen aus den Niederlanden. Im nächsten Raum arbeiten Jugendliche aus verschiedenen europäischen Ländern, darunter auch der Schweiz, an einem Film, der am letzten Abend vorgeführt wird.

Weiterhin gibt’s natürlich den Wettbewerb für den Prix Ars Electronica. Zwei Beiträge sind bei mir haften geblieben: Das Sofa von Jaco Tonski aus den USA das auf einem Bein steht – möglich dank Balancier-Kreiseln, die im Innern versteckt sind. Titel: Balance from Within. Und ein Beitrag aus dem Hacker-Umfeld: Paolo Cirio: Loophole for all. Es geht dabei um die Firmenregistrierung auf den Cayman-Inseln.

Nur hinter den Kulissen ein Thema war die finanzielle Situation des Festivals: Es musste bereits im letzten Jahr empfindliche Kürzungen einstecken, ausgelöst wurden sie offenbar durch einen Finanzspekulation der Stadt Linz. Es fehlten die wirklich grossen, spektakulären Installationen und Performances und auch die berühmte Klangwolke am Samstagabend musste kleinere Brötchen backen. Immerhin: Fürs traditionelle Schlussfeuerwerk auf der Donau hats dann doch noch gereicht



Publiziert von Dominik Landwehr am 08.09.2014 23:50 in Lesen


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