12.06.2014

Das Linzer Hacker-Festival „Amro 2014“ als Ideen-Maschine

Zum sechsten Mal fand Ende Mai in Linz das Hackerfestival „Art Meets Radical Openness“ (AMRO) statt. General Stumm hat sich dort umgesehen:

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Es ist das alte Paradox: Neue Ideen zum Virtuellen, zur Computerwelt entstehen dort am besten, wo Menschen vor Ort zusammentreffen, miteinander nachdenken, sich Geschichten erzählen, sei es in Workshops, oder in Podiumsdiskussionen. Und Ideen entstehen manchmal am besten beim gemeinsamen Frühstücken, beim Warten auf den Bus, auf dem Weg zu einer kleinen Kunstaktion auf irgendeinem verwilderten Waldstück (eventuell auf Privatgrund…). Oder während man nach einem Tag voller Workshops in einer alten Hafenanlage sitzt und aufs einfache, aber exquisite Abendessen wartet, während die Sonne hinter der Linzer Stahlindustrie grandios untergeht– vielleicht gerade dann kommt es zu neuen Einsichten; oder zum Anfang einer Freundschaft, in der Ideen ausgetauscht oder sogar neue gefunden werden.

So jedenfalls funktioniert das Linzer Hacker- und Kunst-Festival „Amro 2014“ („Art Meets Radical Openness 2014“). Das vom Kulturserver Servus.at ausgerichtete Festival, dessen letzte Ausgabe Ende Mai 2014 stattfand, gibt es schon lange; es wurzelt in der Linux-Bewegung Anfang 2000. Ein freier und kreativer Umgang mit digitalen Medien ist das Anliegen des Festivals: Ob Autonomie überhaupt möglich, ja ob sie überhaupt wünschenswert ist, war das diesjährige Thema.

Es ist ein bewährter Insider-Anlass für freiheitsliebende Computer- und Netzinteressierte, und zugleich sind Gäste hochwillkommen; Outsider, aus denen – manchmal im Nu, kann doch ein gutes Gespräch genügen – eine Insiderin werden kann.

Zum Beispiel in einem Workshop des Berliner Künstlers Wolfgang Spahn der mit dem genial einfachen und billigen (35 Euro) Mini-Computer Raspberry Pi leistungsfähige Maschinen baut. Oder in einem Workshop mit dem Schweizer Künstler Adnan Hadzi der die PirateBox in Linz vorstellte; die PirateBox, mit der man ein lokales Netzwerk aufbauen kann, das nicht Teil des Internet ist.

Ideen zu haben sei gefährlich, meinte der in den 30er Jahren ins Schweizer Exil verbannte österreichische Dichter Robert Musil. Wer es – wie Musil – trotzdem nicht lassen kann, die oder der wird nächstes Jahr, am Linzer Festival „Amro 2015“, am richtigen Ort sein.



Publiziert von Dominik Landwehr am 12.06.2014 11:28 in Lesen




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