05.11.2013

ETH-Bibliothek ermöglicht Nutzung von wissenschaftlichen E-Books für alle

In den wissenschaftlichen und technischen Bibliotheken hat sich in den letzten zehn Jahren eine Revolution vollzogen, die von einer weiteren Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde: Ein Grossteil der wichtigen Publikationen sind digital und online verfügbar – allerdings nicht gratis. Wissenschaftliche Bibliotheken geben deshalb einen wachsenden Teil ihres Budgets für digitale Quellen und E-Books aus. Die ETH Bibliothek in Zürich startet nun einen Versuch, der international einzigartig ist: Sie gibt auch Dritten Zugang zu diesen Quellen.


Wissenschaftliche Bücher werden zunehmend digital vertrieben und können in den Bibliotheken online konsultiert werden. Wer in der Vergangenheit Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und nicht Student oder Hochschulangestellter war hatte zwei Möglichkeiten: Er konnte die Publikation online kaufen oder zu Fuss zu einer wissenschaftlichen Bibliothek gehen und den Text dort abrufen und sich allenfalls auch als PDF heimschicken lassen.

Der ETH-Bibliothek war dies schon lange ein Dorn im Auge. Die Überlegung, die sich ihr Direktor Wolfram Neubauer * machte, war ganz einfach: Die Kosten für Bibliotheken und damit auch für die teuren elektronischen Quellen werden vom Steuerzahler, also von der Allgemeinheit getragen. Und deshalb soll auch jeder Interessierte Zugang zu diesen Quellen haben – und zwar online, so wie Studierende und Hochschulangehörige.

Diesem Ziel ist man nun einen Schritt näher gekommen: In Pilotversuch der ETH-Bibliothek Zürich werden nun über 26’000 wissenschaftliche E-Books auch für die breite, wissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit digital zugänglich gemacht, heisst es auf der Website der ETH-Bibliothek Zürich. Mit dabei sind gemäss ETH-Bibliothek folgende Verlage: De Gruyter, Morgan & Claypool, Springer und World Scientific Publishing Co. Das sind renommierte und wichtige Namen im Gebiet der Wissenschaft. Viele weitere Verlage, so heisst es auf der Website weiter, müssen jedoch von einer Teilnahme an E-Lending erst noch überzeugt werden.

Wer von diesem neuen Angebot profitieren will, muss sich bei der ETH-Bibliothek registrieren. Der Pilotversuch dauert bis nächsten Sommer. Danach wird entschieden, wie es weitergehen soll. Die ETH-Bibliothek bittet deshalb Benutzerinnen und Benutzer auch, sich an einer Umfrage zu beteiligen.

Weitere Infos zum konkreten Vorgehen im Blog und im Wissensportal der ETH Bibliothek.

* Die Entwicklung der Bibliotheken im digitalen Zeitalter war auch Thema des 2011 erschienenen Buches „Kultur digital: Begriffe, Hintergründe, Beispiele“. Basel: Merian 2011. Der Verfasser dieser Zeilen, Dominik Landwehr, hat für diese Recherchen bereits damals mit den Angehörigen der ETH-Bibliothek über dieses Theme geredet. Sein Aufsatz ist im Buch unter dem Titel: „Bibliothek – morgen ist schon heute“ auf den Seiten 169-182.



Publiziert von Dominik Landwehr am 05.11.2013 17:11 in Mitmachen




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