14.10.2013

Die Welttraumforscher landen in Langenthal

Er nennt sich „Die Welttraumforscher“ und das Wortspiel mit dem Welt-Traum ist gewollt. Geschaffen hat es der Zürcher Künstler Christian Pfluger. Sein Werk scheint wie aus der Zeit herausgefallen zu sein und besteht aus 400 Songs, aus Grafiken und aus einigen Videos. Unter dem Titel „Ein Sommer in der Wirklichkeit“ ist es noch bis zum 10.November im Kunsthaus Langenthal zu besichtigen.

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Christian Pfluger und seine Welttraumforscher haben einen eigenen Kosmos geschaffen. Es begann bereits 1981 und seit dieser Zeit ist seine Welt ständig gewachsen. In dieser Welt leben konkrete Figuren mit Namen und Geschichten. Dazu zählen Kip Eulenmeister und die Astronauten des Geistes oder Leguan Rätselmann. Auf der Suche nach Weltraumfolklore – auch dies ein Begriff des Künstlers – ist seit 1981 einiges zusammen gekommen und damit auch Aussenstehende den Überblick behalten hat der Künstler unter der Internetadresse www.diewelttraumforscher.ch ein Wörterbuch zur Welttraumforschung angelegt. Hier wird zum Beispiel seine zentrale Figur erklärt:

„Kip Eulenmeister ist zweifelsohne eine der schillerndsten und einflussreichsten Figuren, die je den Weg der Forscher kreuzten. Er tauchte völlig unvermutet in einer langen Märznacht des Jahres 1991 auf (für Astrologen: 27.März, 2 Uhr) und proklamierte mit geradezu unverschämter Selbstverständlichkeit die sogenannte Labilzone, durch die sich die Erde gegenwärtig auf ihrem Flug durchs Weltall bewege.“
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Das Werk der „Welttraumforscher“ besteht aus Musik und Grafik. Über 400 Songs hat der Künstler seit 1981 geschaffen. Das Medium jener Zeit war die Kassette, aufgenommen wurden die Songs zuhause mit einem billigen Vierspurkassettengerät. Zu den Kassetten gestaltete er einfache Hüllen und nahm damit an der so genannten Kassettentäter-Szene teil. Im Gegensatz zu anderen Musikern hat Christian Pfluger nie das Medium gewechselt und ist den Kassetten treu geblieben. Und seine Kassetten hatten dabei, wie Ausstellungsmacher Raffael Dörig schreibt, „längst ein Eigenleben entwickelt“. Für seine Musik hat der Künstler einen eigenen Begriff geschaffen: Bretzelbergpop nennt er ihn liebevoll. Die Texte arbeiten bewusst mit einfachen Reimen, die Musik dazu entstand auf billigen Keyboards jener Zeit. Kenner können auch heute sofort die einzelnen Instrumente anhand der typischen Sounds heraushören.
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Parallel zur Musik entstanden Illustrationen – teils für die Kassetten und LPs des Künstlers, teils aber auch als eigenständige Bildserien. Und auch sie bewegen sich in der kindlichen Weltraumwelt des Künstlers – erinnern manchmal an die Cartoons der Hippiezeit oder an Science Fiction Zeichnungen aus den fünfziger- und sechziger Jahre.
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Christian Pfluger ist durchaus kein unbekannter Künstler. In den spezialisierten Szenen der elektronischen Musik oder Kassetten-Fans ist er durchaus bekannt, man findet im Internet und auf Youtube auch einiges über ihn. Aber man hat doch den Eindruck, als habe er in all den Jahren das grosse Publikum gar nicht gesucht. Gerade das macht diesen Welttraumforscher auch so sympathisch. Ein grösseres Publikum würde man ihm aber auf jeden Fall gönnen.

Die Ausstellung im Kunsthaus Langenthal wurde von Raffael Dörig eingerichtet, der den Künstler seit längerem kennt. Ein Gespräch mit Raffael Dörig gibt es in den Podcasts von digital brainstorming.
Die Ausstellung im Kunsthaus Langenthal ist noch bis zum 10.November 2013 zu sehen. Am Freitag 8.November findet abends ein Konzert und ein Gespräch mit dem Künstler statt.

Zur Ausstellung hat das Kunsthaus Langenthal die erste Monografie zu den Welttraumforschern herausgebracht. Sie trägt den Titel „Die Welttraumforscher: Lieder, Zeichungen, Forschungen“ und ist bei Traversion in zwei verschiedenen Ausgaben erschienen, einmal mit, einmal ohne extra Vinyl Single. Texte und Bilder herausgesucht hat Raffel Dörig, gestaltet hat es die Grafikerin Sonja Oswald (PIN’C Langenthal)

Raffael Dörig vom Kunsthaus Langenthal steuert gleich noch einen weiteren Hinweis bei: Zeitgleich erscheint die LP «Die singende Sternlaterne / Folklore des Weltalls 1982» mit zwei Kasset¬tenalben der frühen Achtziger (eines bisher unveröffentlicht) auf A Tree in a Field records / Planam.



Publiziert von Dominik Landwehr am 14.10.2013 11:15 in Sehen


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