18.08.2013

Ingenieure bauen die Schweiz – Publikation zur Schweizer Technikgeschichte

Was haben Gasturbinen, die Berninabahn, der Eidophor Projektor, die Bolex Filmkamera oder das Revox-Tonband gemeinsam? – Es sind alles Entwicklungen von Schweizer Ingenieuren. Ihnen ist ein Buch gewidmet, das vor kurzem im NZZ Buchverlag erschienen ist: Ingenieure bauen die Schweiz. Technikgeschichte aus erster Hand.

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Unser Bild zeigt ein Nagra III Tonband das der Westschweizer Unternehmer Stephane Kudelski im Jahr 1958 auf den Markt brachte. (Bild Dominik Landwehr)

Die Akteure, also die Ingenieure sollen selber zu Wort kommen. Das ist kurz gefasst das Konzept des Buches „Ingenieure bauen die Schweiz“. Darin liegt der Reiz der Publikation und gleichzeitig auch sein Pferdefuss. Zunächst überrascht einmal die thematische Breite des Buches, der auch zu seinem Umfang von 525 Seiten beigetragen hat. Stichworte dazu sind Turbinen und Generatoren, wie sie etwa von BBC und später von ABB gebaut wurden, Werkzeug- und Textilmaschinen, Infrastrukturbauten wie etwa die Berninabahn, Land und Luftfahrzeuge wie sie von Bombardier, Stadler Rail und den Pilatuswerken gebaut werden, Feinmechanik und Optik, Uhren, Kommunikations- und Medientechnik und schliesst auch die Computerentwicklung mit ein.

Das umfangreiche Werk lebt von den Schilderungen der Ingenieure. Es nennt sich denn auch „Technikgeschichte aus erster Hand“. Darunter leidet gelegentlich etwas der analytische Zugriff. Denn nicht alle der schreibenden Ingenieure vermögen so differenziert und kritisch über ihre ehemaligen Arbeitgeber und Kollegen zu urteilen, wie etwa der Elektroingenieur Roger Lagadec, dessen Darstellung vom Aufstieg und Fall von Willi Studer und seinen Tonbandgeräten die Schwachstellen der einstigen Glanzfirma thematisiert.

Dass bei der stattlichen Anzahl der schreibenden Zeitzeugen, der analytische Blick etwas zu kurz kommt, überrascht nicht. Der Leser, der selber nicht aus dem Ingenieurberuf kommt, hätte sich etwas mehr einführende und erklärende Texte zu den einzelnen Bereichen gewünscht. Stefan Betschons zusammenfassender Text über Schweizer Computerpioniere könnte hier als Leitschnur dienen.
Immer wieder ist im Buch die Klage über die verschwundene Attraktivität des Ingenieurberufes zu hören. Dass ein Schlüssel dafür in der Bildung liegt, ist allgemein bekannt. Man hätte sich aber etwas mehr Reflexion darüber gewünscht, warum denn der Beruf so viel an Attraktivität verloren hat. Oder deutlicher gefragt: Woher kommt die Technikfeindlichkeit, die in der Schweiz und in weiten Teilen Westeuropas seit längerem zu spüren ist?

Franz Betschon, Stefan Betschon, Jürg Lindecker, Willy Schlachter (Hg.): Ingenieure bauen die Schweiz.

Technikgeschichte aus erster Hand. Zürich: NZZ Libro 2013.

Einzelheiten auf der Verlagsseite von NZZ Libro.
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Publiziert von Dominik Landwehr am 18.08.2013 09:46 in Lesen




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