02.09.2012

Ars Electronica Preis für das Schweizer Duo Wachter und Jud

Grosse Ehre für das Schweizer Künstlerduo Christoph Wachter und Mathias Jud. Sie wurden an der diesjährigen Ars Electronica mit einem der Hauptpreise ausgezeichnet. Den Preis konnten sie an der grossen Gala der Ars Electronica im Brucknerhaus in Linz am 31.August 2012 entgegennehmen.

Die beiden wurden 2007 und 2011 auch vom Migros-Kulturprozent gefördert und haben zweimal einen Werkbeitrag im Bereich Digitale Kultur erhalten.


Die beiden werden in der Kategorie „next idea“ für ihre konzeptionelle Arbeit „qaul.net – tools for the next revolution“ geehrt. Ein passendes Projekt zu einem wichtigen Zeitpunkt: Die beiden zeigen auf, wie man mit einfachen Mitteln ein eigenes, unabhängiges Netz aufbauen kann. Der Trick besteht darin, dass jeder Computer nicht nur zum Empfänger, sondern auch zum Sender wird, in der Fachsprache zum Client und zum Server gleichzeitig.

Der Begriff „Qaul“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie Aussage, Rede, Wort und um das freie Wort geht es ihnen. Die beiden Schweizer Künstler hatten Gelegenheit, ihr Projekt während zweier Monate am Ars Electronica Futurelab weiter zu entwickeln. Am Ars Electronica Festival haben die beiden verschiedene Workshops und Präsentationen durchgeführt und den Leuten geholfen, die Software auf ihren eigenen Rechnern und Smartphones zu installieren.

Mit geheimnisvollen Schriftzeichen und Schildern haben die beiden Schweizer auf ihr Projekt aufmerksam gemacht.

Christoph Wachter und Mathias Jud haben die Technologie für qual.net weitgehend selber erfunden und sagen dazu: „Einzig das Mesh-Routing Protokoll wurde nicht von uns erfunden, da greifen wir auf Open-Source Software zurück, was bei solchen Unterfangen ganz normal ist. Auch die Verwendung von Programmiersprachen und Libraries ist notwendig. qaul.net ist jedoch von uns erfunden und auch programmiert worden, deshalb dauerte die Entwicklung so lange und sie ist so aufwendig, dass wir tatsächlich angewiesen sind auf die Unterstützung.“ Das Mesh Protokoll wurde in den 90er Jahren erfunden und wurde von den sogenannten Freifunkern benutzt. Später geriet es jedoch in Vergessenheit und musste entstaubt und überarbeitet werden.

qual.net ist eine aktuelle Arbeit in einer Zeit, wo repressive Staaten wie China, Russland oder Nordkorea das Internet versuchen einzuschränken und grosse Konzerne wie Google, Apple, Amazon und Facebook immer mehr Kontrolle ausüben können.

Weitere Informationen auch im digital brainstorming blog Eintrag vom 10.Mai 2012
www.wachter-jud.net/
www.aec.at/prix/de/gewinner/2012
Dominik Landwehr spricht mit Christoph Wachter und Mathias Jud über ihr Projekt Qual.net – Werkzeuge für die nächste Revolution. Das Gespräch entstand an der Ars Electronica 2012. Länge 25 Minuten.
Gespräch mit Christoph Wachter und Mathias Jud zum Projekt Picidae – aufgezeichnet am 15.4.2008 in Berlin von Dominik Landwehr
Simon Spiegel in einem etwas ausführlicheren Artikel zum aktuellen Projekt im Magazin von www.migros-kulturprozent.ch
Alle Fotos: Dominik Landwehr, Migros-Kulturprozent. Abdruck mit Quellenangabe gestattet
Anfragen: dominik.landwehr at mgb.ch



Publiziert von Dominik Landwehr am 02.09.2012 08:52 in Lesen




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