02.04.2012

Urheberrecht: Debatte Reloaded

Wer glaubte, die Debatte über das Urheberrecht hätte sich langsam totgelaufen, wurde in den letzten Wochen eines besseren belehrt. Die Emotionen gehen hoch und zwar diesmal bei den Künstlern.

Ein Wutausbruch am Mikrophon gabs zum Höhepunkt. Er kam vom Autor und Musiker (Element of Crime) Sven Regener am 21.März 2012 in der Sendung „Zündfunk“ im Bayerischen Rundfunk .

Originalton Regener: „Es wird so getan als wenn wir Kunst als exzentrisches Hobby betreiben würden. Und das Rumgetrampel darauf, dass wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist eigentlich nichts Anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt und sagt: Euer Kram ist nichts wert. Wir wollen das umsonst haben, wir wollen damit machen können was wir wollen…

Nur eine Woche später meldeten sich 51 Autoren der Krimiserie „Tatort“ zu Wort. Auch sie waren nicht minder erzürnt. Ihr Brief richtet sich an die Grünen, die Piraten, die Linken und die Netzgemeinde und beklagt: „Die schlechte Lage der Urheber, ihre unangemessene Vergütung und die millionenfache illegale Nutzung von urheberrechtlich geschützten Inhalten auf der einen Seite, 600.000 Abmahnungen von Usern und die Möglichkeit von Netzsperren und (anlassloser) Vorratsdatenspeicherung, die Sie gerne Zensur nennen, auf der anderen Seite“.

Für Gesprächstoff hatte bereits im letzten Jahr ein Buch mit dem provokativen Titel „Mashup – Lob der Kopie“ von Dirk von Gehlen gesorgt. Der Chefredaktor von jetzt.de plädierte dafür für einen neuen Umgang mit dem Original. Seine These: Die gegenwärtige gesetzliche Lage verhindert Kreativität.

In der Schweiz werden solche Debatten gewöhnlich etwas weniger heiss abgekocht. So auch diesmal. Hierzulande hatte sich im März eine Gruppe von Musikern unter dem Begriff „Musikschaffende“ mit ähnlichen Absichten zusammengetan. Sinn und Zweck bekundeten sie etwas weniger medienwirksam auf ihrer Website. Alles klar?

„Zweck des Vereins ist die Förderung der Interessen der Musikschaffenden der Schweiz, insbesondere im Hinblick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche im weitesten Sinne Einfluss auf das Musikschaffen und die Verbreitung von Musikaufnahmen haben, sowie deren Umsetzung und gesellschaftliche Akzeptanz dieser Rahmenbedingungen.“

Die Antwort auf die verschiedenen Vorstösse liess nicht lange auf sich warten und verschiedene der Angesprochenen meldeten sich zu Wort. SPIEGEL und STERN kommentierten das ganze mehr oder weniger sarkastisch.

Am interessantesten fiel wohl die Stellungname von 51 Hackern des Chaos Computer Clubs aus: „Auch wir sind Urheber, sogar Berufsurheber, um genau zu sein. Wir sind Programmierer, Hacker, Gestalter, Musiker, Autoren von Büchern und Artikeln, bringen gar eigene Zeitungen, Blogs und Podcasts heraus. Wir sprechen also nicht nur mit Urhebern, wir sind selber welche…. Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal.“

Die Debatte wird so schnell nicht zur Ruhe kommen. Nicht wenige der in den Texten genannten Stichworte sind seit Jahren Reizworte und zwar bei allen Gruppen. Beispiele: Schutzfristen, Abmahnungs-Wellen, Filesharer, Streaming-Dienste, Collagier-Technik, Sampling… Richtige Lösungen ausserhalb von Ideen, die sich nur in Diktaturen durchsetzen lassen, sind wenig in Sicht. Die Debatte wird weiter gehen…



Publiziert von Dominik Landwehr am 02.04.2012 16:34 in Nachdenken


Keywords: [Gesellschaft] [Politik] [Urheberrecht]


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