06.11.2011

Stelarc: Der Mensch als Cyborg

Der Körper des Menschen ist unvollkommen – er kann aber mit technischen Mitteln verbessert werden. Keiner Künstler hat diese These so konsequent durchdekliniert wie der australische Performance Künstler Stelarc, der diese Tage wieder einmal in der Schweiz ist und auch im digital brainstorming Podcast im Gespräch mit Dominik Landwehr zu hören ist. Es geht darin vor allem um sein neustes Projekt: Ein drittes Ohr…



Stelarcs Ideen sind keine Eintagsfliegen. Sie beschäftigen ihn viele Jahre, reifen heran, wachsen und erleben verschiedene Schritte der Realisation. So auch mit seinem neusten Projekt: Dem dritten Ohr. Der Künstler hat schon bei unserer ersten Begegnung im Jahr 1998 davon erzählt und auch bei seinen Vorträgen die Idee vorgestellt. In der Regel zum allgemeinen Befremden. Nun hat er es also getan. Sein neues Ohr ist allerdings nicht am Kopf, wie ursprünglich geplant, sondern am linken Unterarm.

Vollendet ist es allerdings noch nicht: Noch sind erst die Umrisse zu erkennen. Weitere Operationen stehen an und auch die Elektronik ist noch nicht eingepflanzt. Ein Mikrophon, so eine seiner Ideen, soll dereinst sein Leben akustisch dokumentieren und wer sich dafür interessiert, kann sich übers Internet darin einklinken. Weitere Erklärungen gibts im digital brainstorming Podcast in einem rund 20minütigen Gespräch mit dem Schreibenden.

Wer ist ist dieser Mann? – Mister Cyborg ist alles andere als ein kruder Sonderling, sondern ein äusserst liebensdwürdiger und kluger Mann von 65 Jahren, der alle mit seinem Charme im Bann zieht. Bei unserer Fotosession etwa erklärt er geduldig einer jungen Hotelangestellten sein neustes Projekt, sie darf sein neues Ohr sogar berühren…

Stelarc blickt auf eine über 30jährige Künstlertätigkeit zurück. Immer wieder hat er dabei mit seinem Körper gearbeitet. Verschiedentlich hat er sich an seiner Haut mit Fleischerhaken aufhängen lassen. Für eine Skulpturen-Ausstellung liess er einmal eine kleine Skulptur in seinen Magen platzieren, wo sie blinkte und Töne vor sich gab. Das war allerdings nur durch ein in den Magen eingeführtes Endoskop zu erkennen.
Als einer der ersten Künstler hat er sich schon in den 90er Jahren mit dem Internet befasst und Teile seines Körpers aus der Ferne steuern lassen…

Roboter haben den Künstler immer wieder fasziniert und er hat verschiedene Roboter gebaut oder bauen lassen. So entstand 1999 die Installation Exoskeleton: Ein sechsbeiniger Roboter, mit dem der Künstler eine martialische Performance aufführte. Sie waren unter anderem 1999 auch in der Berner Dampfzentrale im Rahmen von digital brainstorming zu sehen.

Ein ausführliches Gespräch mit dem Künstler gibts bei den Podcasts von digital brainstorming. Dominik Landwehr unterhält sich mit dem Künstler (In englischer Sprache, ca 22 Minuten). Hier gehts zum Interview
Fotos: Dominik Landwehr. Bildanfragen bitte an dominik.landwehr at mgb.ch



Publiziert von Dominik Landwehr am 06.11.2011 10:08 in Hören




Ausserdem