31.10.2010

Gehackte Digitalkameras im Image Fulgurator von Julius von Bismarck

Er sieht aus wie ein Verschnitt von Jesus Christ Superstar und Osama Bin Laden. Und sein Projekt ist brisant: Mit seinem Image Fulgurator schleicht sich der Künstler nämlich an öffentlichen Plätzen in die Fotoaufnahmen von unbeteiligten Fotografen. Das gelang ihm auch mit dem Autor des vorliegenden Berichts, Dominik Landwehr. Ein Audio-Podcast mit dem Künstler findet sich am Schluss des Beitrages.

shift-julius.jpg
Das Arbeitsgerät von Julius von Bismarck ist ein Apparat, der aussieht wie eine normale Fotokamera mit einem starken Blitzgerät samt externem Akku. Es macht aber etwas ganz anderes, als Bilder aufnehmen – es sendet, projeziert Bilder und zwar so, dass man diese Veränderungen von blossem Auge nicht sehen kann…
shift-julius-kamera.jpg
Der Künstler stellt sich in die Nähe eines vielbeachteten Motivs. Mit seinem Apparat fixiert er einen Ausschnitt darauf und wartet. Sobald in der Nähe ein Blitz ausgelöst wird, zündet auch der Blitz im Image Fulgurator. Nur ist es nicht in seinem Blitzgerät sondern im Innern der Kamera verborgen. Das Kamera-Objektiv bündelt die Strahlen und projeziert sie präzise auf das Motiv.
shift-julius-flash.jpg
Dort ist dann für den Bruchteil einer Sekunde etwas zu sehen, was möglicherweise nicht dort hingehört. Der Zuschauer merkt nichts vom Ganzen – er sieht nur einfach zwei Menschen dasselbe Motiv fotografieren. Auch der unbeteiligte Fotograf merkt nichts – bis er sein Bild betrachtet und dort etwas findet, was vorher nicht da war…

Der Künstler scheut sich nicht vor grossen Menschenansammlungen. Ausprobiert hat er sein Gerät etwa bei der berühmten Rede, die der US Präsident Barack Obama – damals noch Präsidentschaftskandidat – 2008 vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehalten hat. Auf den Fotos von unbeteiligten tauchte auf dem Rednerpult von Obama plötzlich ein Kreuz auf, das da eigentlich nicht zu sehen war. Auch in China hat der Künstler seinen Image Fulgurator ausprobiert und auf ein Mao-Portrait eine Friedenstaube von René Magritte projeziert.
shift-julius-raf.jpg
Das Projekt ist brisant und das weiss der Künstler wohl. Das Logo des Image Fulgurators ist eigentlich ein verändertes Emblem der deutschen Terrorgruppe Rote Armee Fraktion.

Und es funktioniert wirklich. Das zeigte ein live-Test am SHIFT Festival in Basel. Das Bild entstand mit einer einfachen Canon G10 Digitalkamera. Der Autor staunte aber nicht schlecht, als da auf seinem Bauch nicht etwa eine Friedenstaube von René Magritte auftauchte, sondern ein vulgäres Phallus-Symbol….
shift-landwehr.jpg
Ein ausführliches rund 20minütiges Gespräch, das Dominik Landwehr mit dem Künstler führte, ist in der Podcast-Sektion von digital brainstorming zu hören.
Und hier gehts zur Internetseite von Julius von Bismarck



Publiziert von Dominik Landwehr am 31.10.2010 13:58 in Lesen




Ausserdem