07.08.2010

Analoge Filmkameras aus dem Waadtländer Jura – der Mythos Bolex lebt

Marlene Dietrich, Mahatma Gandhi, Aga Khan und Antoine de St. Exupéry – sie alle filmten in den 50er und 60er Jahren mit Bolex-Filmkameras aus Yverdon. 30 Prozent des Weltmarktes gehörten der Schweizer Firma. Ein kleines Wunder: Die Firma ist trotz Video und Computer nicht verschwunden – ein kleines Team in Yverdon rapariert (fast) alle alten Maschinen und produziert sogar jedes Jahr eine kleine Serie von 20 neuen Geräten. Mehr zum Thema und ein Interview als Podcast.

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Das kleine Wunder ist am südlichen Rand von Yverdon zu besichtigen: In einem anonymen Geschäftshaus haben Firmenchef Marc Ueter und sein Techniker Otello Diotalevi das kleine Bolex Reich – und haben heute Kontakt mit der ganzen Welt. „Wir schicken Pakete nach Amerika, Asien, Afrika und auch in den Nahen Osten“, erählt Marc Ueter bei einem Gespräch. Natürlich ist das kein Vergleich mit der grossen Zeit von Bolex – als jedes Jahr Tausende von Kameras die Werke in der Region verliessen.
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Trotzdem – ein kleines Wunder ist es schon: Und es sind nicht nur Nostalgiker und Sammler, welche die Bolex-Kameras schätzen. „Unsere Kameras funktionieren auch unter extremsten Bedingungen – in Kälte, Hitze, Staub und Feuchtigkeit“, erklärt uns Firmenchef Marc Ueter. „Nach dem ersten Golfkrieg kriegten wir sogar eine Bolex-Kamera von CNN zur Reparatur“.

Marc Ueter konnte das ganze Bolex-Lager übernehmen und hat heute ein riesiges Ersatzteillager: „Wir können heute fast jede Kameras reparieren – kürzlich kriegten wir sogar eine Kamera aus dem Jahre 1944 und sie läuft heute wieder“.
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Das Lager ist so umfangreich, dass aus den alten Beständen sogar neue Kameras zusammengesetzt werden können. Eine davon – die H16 SBM ist nicht nur mechanisch, sie braucht auch keinen Motor und wird mit einer Springfeder betrieben. Dadurch ist sie total unabhängig von Strom und Batterien. Wenn die Feder ermüdet, kann sie einfach ersetzt weden, erklärt uns der Techniker Otello Diotalevi und zeigt uns dünne Bänder aus Stahlblech, die in die alten Federgehäuse eingesetzt werden.

Um eine neue Kamera zusammenzusetzen braucht Techniker Diotalevi ungefähr zwei bis drei Tage. Und so verlassen Jahr für Jahr ungefähr 20 Kameras das Atelier in Yverdon.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Objektive – von denen es auch heute noch etliche zu kaufen gibt – sie wurden einst von Kern in Aarau gefertig und erhalten auch heute noch die nötige Pflege und Aufmerksamkeit. Natürlich fehlt es im Bolex-Atelier nicht an den notwendigen Spezialwerkzeugen.
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Um die Objektive zu testen wird ein Testbild an die Wand geworfen.
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Und wie sieht die Zukunft von Bolex aus? – „Unser Material reicht noch für eine ganze Weile“, meint Marc Ueter. Trotzdem hat man auch den Mut zu neuen Geschäftsfeldern und hat vor einigen Jahren in Martigny im Wallis ein kleines Atelier eingerichtet, das alte Filme digitalisiert. Und zwar nicht auf die einfach Art sondern hoch professionell: „Jedes Bild wird eingescannt und elektronisch aufbereitet“. Das ist übrigens nicht einmal teuer und kostet nach Auskunft von Bolex ungefähr einen Franken pro Minute.

Bolex Yverdon

im digital brainstorming Podcast ist das Gespräch von Dominik Landwehr mit Marc Ueter von Otello Diotalevi in ganzer Länge zu hören. 13 Minuten in französischer Sprache.



Publiziert von Dominik Landwehr am 07.08.2010 10:48 in Hören


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