30.10.2009

Dem Universalgenie Leibniz sein Netzkunstgenerator

Cornelia Sollfranks inspirierender Brückenschlag zwischen ihrem Netzkunstgenerator und dem Werk von Andy Warhol war nicht ihr letztes Wort: Nun kommt die Hamburger Künstlerin mit Leibniz ins Gespräch. Sollfranks Netzkunstgenerator wird durch die Verschwägerung mit dem Universalgenie Leibniz nobilitiert, was sich ersterer auch ehr- und redlich verdient hat. Wobei Redlichkeit gerade in Urheberrechtsfragen strittig ist. Was der Netzkunstgenerator mit diesem Streit – und Sollfrank mit Warhol – zu tun hat, können Sie aufgrund des nebenstehenden Bildes leicht erahnen.

Leibniz.Flowers.rot.jpg

 

In der Landesvertretung Niedersachens beim Bund, genaue Adresse: „in den Ministergärten“ – mitten im Politzentrum Berlin also hat eine Pionierarbeit der Netz- und Medienkunst für eine Woche einen Austellungsort gefunden: Bis zum 8. November wird Cornelia Sollfranks Netzkunstgenerator dort zusammen mit der Rechenmaschine, die Gottfried Wilhelm Leibniz Ende des 17. Jahrhunderts entwickelt hatte ausgestellt. Diese Rechenmaschine plus seine Erfindung des Binärcodes hätten Leibniz zu einem „Ahnen der Computertechnik“ gemacht, so die Austellungsmacher. Auf den hartnäckigen und trickreichen Dialog, den Sollfrank mit Warhol(s Werk) aufgenommen hatte, folgt nun derjenige mit Leibniz. Auch wenn der Dialog mit dem Universalgenie des 17. Jahrhunderts weniger tief und fruchtbar werden dürfte als derjenige mit Warhol, so ist es doch ein schöner Brückenschlag zwischen den Epochen.

Man kann diese Gegenüberstellung mit Leibniz auch als eine Ehrung, eine Nobilitierung des Netzkunstgenerators betrachten. Was nicht nur gemäss den objektiven (?) und lauteren (?) Kriterien der Kunstwelt seine Berechtigung hat (in dieser ist der Netzkunstgenerator kürzlich vom ZKM angekauft worden), sondern auch nach den subjektiven und vergleichsweise niederen des Verfassers der vorliegenden Zeilen: Für diesen Blog sowie für viele andere Schreibanlässe war und ist Sollfranks Netzkunstgenerator ein grossartiger, weil ständig verfügbarer und kostenloser Bild-Spender, eine intravenöse Pixelanreicherungs- und Bildauffrischungs-Maschinerie – dass das freilich nicht ganz ohne offene Urheberrechts-Fragen geht, versteht sich von selbst bei einer Arbeit Sollfranks!

Und nicht nur Bilder spendet der Netzkunstgenerator buchstäblich auf Mausklick, sondern auch Meditation: Wie oft haben wir unser Schreibkriegshandwerk vergessen und uns in Trance versetzen können: ein Stichwort eingeben, dann klicken, dann einige Sekunden warten, dann das Ergebnis entzückt, aber nicht zu lange schauen, denn schon geht es weiter zur nächsten Eingabe, wieder Klick, wieder schauen etc., etc., so dass aller irdischer Schlachtenlärm verebbt und stattdessen die immer neuen Bilder aus dem Netz uns wohlig überfluten und wiegen.

Der Umstand, dass das Zentrum für Kunst und Medientechnologie den Netzkunst-Generator „angekauft“ hat, stürzt uns übrigens in Besorgnis: Werden wir weiterhin gebührenfrei meditieren dürfen?

Darum nur unter Zagen hier der explizite Bildnachweis: selbstverständlich der Netzkunstgenerator!



Publiziert von generalstumm am 30.10.2009 16:43 in Nachdenken


Keywords: [Medienkunst] [Urheberrecht]


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