20.02.2009

Nachdenken über das Zeitungs-Sterben

Dem Medium Zeitung geht es schlecht – das spürt man auch in der Schweiz: Die TA-Media-Gruppe investiert verzweifelt in Gratiszeitungen, die NZZ entlässt Personal. Wohin geht die Reise. Keine Antwort aber ein paar kluge Gedanken dazu gibt ein aktueller Aufsatz in den Schweizer Medienheften


Stephan Weichert und Leif Kramp denken in ihrem Artikel nach und fassen zunächst mal die Fakten klug zusammen: Klar ist längst: Wir haben es mit einem globalen Phänomen zu tun. Der Grund für die aktuelle Zeitungskrise, die eigentlich eine Medien-Krise ist, liegt im Internet.
Längst ist klar, dass sich die Geschäftsmodelle von gestern nicht einfach auf das neue Medium Internet übertragen lassen. Konkret: Was im Print verloren gegangen ist, lässt sich nicht einfach so über Netz-Aktivitäten wieder reinholen.
Was wohl am meisten bedroht ist: Qualität, Recherche – Dinge, die Zeit brauchen. Nicht jede Newsline ist eine wirkliche Geschichte, jedenfalls nicht jene, für die man sie zunächst hält: Die Schwindlerin von Stettbach lässt grüssen…
Höhere Wertschätzung als auch schon erfährt in diesen Not-Zeiten das öffentlich-rechtliche Modell – unsere viel geschmähten SRG-Sender. Verzeihung: SRG-SSR – idée Suisse. Und Stiftungen könnten hier wichtige Arbeit leisten:
„Auch wenn es dem Markt allein überlassen bleiben sollte, über die Zukunft der Presse zu entscheiden, spricht nichts gegen indirekte medienpolitische Fördermaßnahmen wie im Fall des Berliner Online-Portals «Perlentaucher», das knapp drei Jahre lang im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung den europapolitischen Newsletter «eurotopics» betreute.“
So oder so: Das Internet wird wohl das News-Medium der Zukunft sein.
„Auch die Verlage sind gefragt, trotz einschneidender Verluste in die multimediale Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren und die Etats der Online-Redaktionen weiter aufzustocken, statt herunterzufahren. Ob auf Papier gedruckt oder von multimedialer Gestalt im Internet: der morgige Wert oder Unwert des Journalismus wird sich schließlich daran bemessen lassen müssen, ob es ihm gelingen kann, weiterhin – um es mit Brecht zu sagen – ein Mittel zur Ordnung und zugleich zur Unordnung zu sein.“
Höchst unklar ist heute – und hier wissen die beiden Medienwissenschafter auch kein Rezept – die Rolle von Blogs, etwas despektierlich „Laien-Journalismus“ genannt.
Weiterdenken – weiterbeobachten.
Wir bleiben dran.
Medienheftehttp://www.medienheft.ch/politik/bibliothek/p09_KrampWeichert_01.html



Publiziert von Dominik Landwehr am 20.02.2009 16:53 in Lesen


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