09.11.2008

Mittelwelle: Die Zukunft der Vergangenheit

Hört überhaupt noch irgend jemand Mittelwelle? Aber ja! Tausende! Zehntausende! Schweizer Radio DRS rechnet immer noch mit rund 200’000 (wenn ich mich recht erinnere!) regelmässigen RauschenlauscherInnen beim Mittelwellen-Programm „Musikwelle“. Die sollen alle bis Ende 2008 auf DAB oder einen anderen Verbreitungsweg zügeln. Denn am 28.12.2008 ist Schluss mit Beromünster. Dann fährt Swisscom Broadcast, die technische Betreiberin, den 250’000 Watt starken Sender herunter. Was dann?

beromuenster1930.jpg
Der Schweizer Heimatschutz hat 2007 schon mal vorsorglich einen Ideenwettbewerb veranstaltet. Eingegangen ist Vieles. Ihm am besten gefallen hat der Vorschlag von Cornelia Burkhard aus Hildisrieden: ein Jugendradio, das Einblick ins Radiohandwerk bieten und für Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Schweiz offen stehen soll. Also: Weitersenden! Das Bundesamt für Kommunikation hat seinerseits diesen Herbst eine Art Ideenwettbewerb für gleich alle 2009 in der Schweiz frei werdenden Mittelwellenfrequenzen (531 kHz, 558 kHz, 1485 kHz und 1566 kHz) veranstaltet. Beim Amt heisst das dann „Bedürfnisabklärung Mittelwelle„. Deren Resultate sollten in den kommenden Tagen und Wochen publik werden. Schon bekannt ist das Interesse eines gewissen Tony Johnston. Ihm schwebt ein „English Radio Switzerland“ vor, wie er dem Tagi verriet.

Was kann Mittelwelle überhaupt? Mit halbwegs vernünftigen Sendestärken lässt sich ein Gebiet 20 bis 50 Kilometer im Umkreis der Antenne bedienen (hier Seite 4). Die Tonqualität ist etwas besser als am Telefon.

Die Knacknuss für Mittelwelle-Newcomer wird wohl: Wie verklickere ich dem Publikum den – quasi – technologischen Rückschritt als Gewinn?

Wie wär’s, wenn Radio Energy auf Mittelwelle ausweichen tät, jetzt, da es seine UKW-Frequenz abgeben muss? Böse Zungen behaupten ja, die Jugend heute habe mit dem überlauten Sound in den Ohrstöpseln ihr akustisches Sinnesorgan bereits in frühen Jahren dermassen ruiniert, dass sie den qualitativen Unterschied zwischen Mittelwelle und UKW sowieso nicht bemerke.

Nichts gegen Mittelwelle! Vielleicht fällt ja jemandem tatsächlich ein perfekt auf die mindere Tonqualität zugeschnittenes Programmkonzept ein, das profitiert vom Verbreitungsgrad der AM/MW-Empfänger, von dem übrigens die DAB-Advokaten nur träumen können.



Publiziert von Admin Deutsch am 09.11.2008 14:14 in Hören




Ausserdem