05.09.2008

Das CERN-Experiment: Die Welt blickt nach Genf

Die Welt blickt in den nächsten Tagen nach Genf. Dort, genauer am CERN, beginnt nämlich eines der wichtigsten Experimente der modernen Physik, wenn der neue Grossbeschleuniger „Large Hadron Collider“ in Betrieb genommen wird.


Wie mit einer riesigen Lupe sucht dieses Experiment nach dem letzten verbleibenden Steinchen in einem Mosaik, das den Namen Standardmodell trägt – wenn es gelingt, das Teilchen zu finden, dann stimmt das Modell. Und wenn nicht? – Dann wird man sich fragen, wozu diese Art von Forschung denn gut war. Teilchen-Physik hat ohnehin ein schweres Leben: Zu schwierig, zu komplex um wirklich zu verstehen, worum es geht.

Und warum befasst sich dieser Blog mit diesem Experiment? – Das CERN und seine Forschung standen am Anfang des World Wide Web: Hier wurde zu Beginn der 90er Jahre die Technologie erfunden, die Daten des Internet auf eine einfache und gut sichtbare Art und Weise darzustellen. Und wer sich mit Kunst und Technologie befasst, kommt um die Grundlagenforschung wie sie am CERN betrieben wird nicht herum.

Das LHC Experiment hat übrigens auch seine Gegner: Der deutsche Physiker Otto E.Rössler – v.a. in den 90er Gast an Medienkunst-Festivals – gehört dazu. Er befürchtet, dass die kleinen Schwarzen Löcher, die beim neusten Experiment erzeugt werden, die Welt verschlingen könnten. Kommentar der CERN Physiker: Unwahrscheinlich aber nicht hundertprozentig auszuschliessen… Mehr zu Otto F.Rössler in einem längeren SPIEGEL Interview

Radio DRS 2 macht für das Jahrhundert-Experiment in Genf einen Riesen-Effort und berichtet in den unterschiedlichsten Formen über das Experiment. Höhepunkt ist wohl der – eher symbolische – Start am Mittwoch, 10. September. Mit dabei unter andererm die Schweizer Physikerin Ruth Durrer und die Wissenschafts-Soziologin Karin Knorr Cetina aus Konstanz. Sie hat in ihrem Buch „Wissenskulturen“ eines der am meisten beachteten Bücher der Wissenschafts-Soziologie geschrieben, das auch ohne den aktuellen Kontext lesenswert ist. Auch die Wissenschaft, so die Grundthese ihres Buches, ist letztlich eine von Menschen geschaffene Ordnung.

Radio DRS hat zum Thema CERN einen eigenen Blog eingerichtet. Hier sind auch Merkwürdigkeiten zu finden, wie etwa der CERN-Physikerin. Katherine McAlpine alias „Alpinekat“. Sie erklärt in einem fünfminütigen Rap „The LHC is Supa Dupa Fly“ auf eine eigenwillige und witzige Weise den neuen Beschleuniger; Ihr Clip gehört zu den Top-Videos bei Youtube.

Eine Sammlung von verschiedenen Radio-Beiträgen findet sich hier
Und hier gehts zum CERN



Publiziert von Dominik Landwehr am 05.09.2008 18:18 in Nachdenken


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