06.06.2008

Was Autofetischismus mit Medienkunst zu tun hat

Oft wird Medienkunst so präsentiert, dass nicht nur die Sache selbst, sondern auch die Umgebung anstrengend, weil zum Beispiel chaotisch, weil zum Beispiel subkulturell ist. Wer sich für einmal drei ausgewählte Medienkunst-Installationen in einem schönen, ruhigen Galerie-Raum ansehen will, dem sei der Zürcher Off-Space „Sirupspace“, Nähe Bahnhof Enge, mit der momentanen Ausstellung „Klima/Lehni/Perret, Immersive Umgebungen“ empfohlen.

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Die Ausstellung ist noch bis Ende Juni zu sehen – und sollte unbedingt gesehen werden! Denn die Veranstalter des rund seit einem Jahr bestehenden Kunstraumes Sirupspace haben drei sehr eindrückliche, fast schon klassische Arbeiten für die kleine Ausstellung „Immersive Umgebungen“ ausgewählt.

Da ist die interaktive Installation „Portuguese Guitar Hero“ des internationalen Stars John Klima: eine Gitarre oder ein kleines Xylophon erlauben dem Betrachter, das Geschehen in der virtuellen Welt auf dem grossen Bildschirm zu beeinflussen. Die von der Betrachterin erzeugten Töne erwecken in dieser schemenhaften Welt Figuren zum Leben, die man einfach gesehen haben muss, so schön sind sie in ihrem Kommen und Gehen.

Bei der Installation „Apple Talk“ von Jürg Lehni kommunizieren zwei Computer via Spracherkennungs-Programme miteinander und falls man im ersten Moment denkt, dass man dergleichen nun doch schon oft genug erlebt hat, dann wird man bald eines Besseren belehrt. Was diese Maschinen an (Un)Sinn produzieren, zieht in den Bann.

Vor zu grosser Sprachverklärung bewahrt das letzte Exponat, die Installation „Paint My Bass“ von Raphael Perret, denn hier geht es um Handfesteres, um die Liebe des Autofetischisten zu all den Details, die ein Auto zieren und vor allem um die Liebe zu einem richtig tiefen, dröhnenden Bass. In einem gedrungenen Koffer hat die eigentümliche Musik-Anlage von Perret Platz. Sie ist Musikanlage, weil man sein I-Pod anschliessen und seine mitgebrachte Musik hören kann und zugleich ist sie ein wenig Auto, denn unter anderem ziert ein Jaguar das Gerät und anstellen kann man es mit einem Autoschlüssel. Der Clou ist aber ein angeschlossenes Zeichengerät, das auf die Bass-Töne der mitgebrachten Musik reagiert, weil es im Wesentlichen ein Bass-Verstärker ist und sich je nach Basslinie fortbewegt. Ein montierter Pinsel sorgt dafür, dass diese Bewegungen ein Bild entstehen lassen.

Ob die Arbeiten auch einzeln bestechen, ist schwer zu entscheiden: Auch als einzelne sind sie alle drei zweifellos sehr schön, aber vielleicht doch nicht genügend überraschend? In der von Sirupspace gewählten Dreierkombination aber überzeugen sie, zusammen ermöglichen sie eine konzise Begegnung mit gegenwärtiger Medienkunst. Insbesondere können die Arbeiten nicht nur die Freude am Konzeptuellen, sondern auch die Sinne befriedigen. Dazu gehört auch die sehr sorgfältige Ausstellung in einem prächtigen Raum und die anregende Auskunft, die man bekommt (zusammen mit einem Sirup, versteht sich).

Öffnungszeiten: Fr 14-18 h, Sa 12-17 Uhr. Ort: http://map.search.ch/zuerich/alfred-escher-str.23



Publiziert von Admin Deutsch am 06.06.2008 19:31 in Sehen


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