12.04.2008

Mit Picidae durch den chinesischen Firewall

Dass China alles andere als ein freies und demokratisches Land ist, ist selten so klar wie in diesen Tagen: Unterdrückung in Tibet, Zensur im ganzen Land sind Stichworte dazu.

Ein listiges Projekt aus der Schweiz findet einen Weg, die chinesische Zensur zu umgehen. Es heisst Picidae – lateinisch für Spechte – und stammt von den beiden Zürcher Künstlern Christoph Wachter und Matthias Jud.


Trotzdem verstehen sich die beiden nicht primär als politische Aktivisten sondern als Künstler und ihr Thema ist nicht nur Zensur, sondern auch Wahrnehmung, erklären sie im digital brainstorming Podcast. Sie wollen mit ihrem Projekt einige Internet-Mythen widerlegen. Das Netz ist voller Löcher und Lücken und weder allwissend, noch omnipräsent, das eine ihrer Schlussfolgerungen.

Das Picidae Projekt, das im vergangenen Jahr einen Werkbeitrag von 25 000 CHF vom Migros-Kulturprozent erhielt, ist in diesen Tagen sehr gefragt. Die beiden Schweizer Künstler sind fast ständig auf Achse und sind an den verschiedensten Festivals anzutreffen. Viel Ehre, aber kein Einkommen: Die meisten Festivals bezahlen nämlich nur gerade die Spesen für Reise und Unterkunft.
In unserem Interview weisen sie auf einen weiteren Aspekt ihres Projektes hin: Immer mehr Firmen beschränken den Internet-Zugang ihrer Mitarbeiter und filtern Angebote aus, die sie für nicht angemessen halten. Chinesische Zustände also auch innerhalb der Firmenmauern.

Ein besonders absurdes Beispiel ist die Geschichte eins Hotelportiers, der einem Gast die Website des Wäsche-Herstellers Calida zeigen wollte. Hier half der Umweg über die Picidae Seite.
Der Picidae Code lässt sich übrigens mit wenig Aufwand in die eigene Website einbetten. Damit kann jede Website zu einer Zwischenstation für Internet-User werden, die durch Zensur behindert werden.

Das Interview mit Christoph Wachter und Matthias Jud von Picidea. (20 Minuten, 15 MB)

Und hier gehts zu Picidae



Publiziert von Dominik Landwehr am 12.04.2008 10:25 in Hören




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