25.10.2007

Kehret um, kehret um!

Kehret um, kehret um von euren bösen Wegen! (Hesekiel 33,11)

Erstaunliches ist zu vernehmen aus der ETHZ. Selbstreflexion und Selbstkritik in der Kommission „Dialog Wissenschaft – Gesellschaft“ haben ihre Mitglieder zu sehr grundsätzlichen Forderungen inspiriert. „Wir wollen zum Beispiel, dass der kompromisslose Wettbewerb unter den Forschern auf ein angemessenes Mass zurück geht. Wir wollen überdies erreichen, dass die Lehre als genau so wertvoll angesehen wird wie die Produktion von Spin-offs oder Patenten. Und wir wollen, dass die ETH-Absolventen wieder als der wertvollste ‚Output‘ unserer Institution wahrgenommen werden,“ lässt sich Kommissionspräsident Gerd Folkers im aktuellen „ETHLife“ zitieren. Und schuld daran ist Greenpeace.


Aktuelle Entwicklungen wie das zunehmende Schielen auf Rankings, die Herrschaft des Kosten-Nutzen- Denkens oder der Impaktfaktoren, die über Wohl oder Wehe einer Karriere entscheiden, seien bedenkliche Schritte zu einer Verflachung des akademischen Lebens. Auch der an der ETH voll implementierte Bologna- Prozess, der jede Studienleistung mittels Kreditpunkten objektiviert und quantifiziert, fördere den Glauben, dass sich wissenschaftliches Denken und Können quasi linear, Kreditpunkt für Kreditpunkt, generieren lasse. Das sind neue Töne. Und was hat den Denkprozess angestossen? Erstaunlicherweise Greenpeace. Die hartnäckige Opposition der Umweltorganisation gegen den Feldversuch der ETH mit gentechnisch verändertem Weizen habe viele überrascht, meint Folkers. „Wir haben an diesem Fall festgestellt, dass es der Forschung an Dialogstrategien mangelt.“ Wenn von breiten Kreisen die „rote“ Gentechnologie – sprich Gentech in der Humanmedizin – uneingeschränkt als Segen, die „grüne“ aber als Gefahr und gesellschaftlicher Affront empfunden werde, könne etwas nicht stimmen mit der Art, wie sich die Forschung darstellt. „Wir müssen uns wieder auf den Kern der akademischen Kultur besinnen, und das ist der Dialog auf gleicher Augenhöhe.“ Ob diese Analyse stimmt, sei mal dahingestellt. Aber es spricht doch für die Ernsthaftigkeit der Reflexion, wenn der Widerstand von Greenpeace Dozierende an der ETH zu Kritik an Konkurrenzdenken, Hierarchiefixierung und Bolognaprozess inspiriert. Ob die Erfüllung der daraus abgeleiteten Forderungen dazu führt, dass die Oeffentlichkeit „grüne“ Gentechnik gleich sexy findet wie „rote“, wage ich allerdings zu bezweifeln. Und das ist ja vielleicht auch gut so.



Publiziert von Admin Deutsch am 25.10.2007 09:31 in Nachdenken


Keywords: [Gesellschaft]


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