24.07.2007

Handy-TV: das nächste grosse Ding?

Am Freitag ist Einsendeschluss. Am nächsten Freitag muss, wer sich um eine schweizweite Konzession für „handy-TV“ bewerben will, die ihn zum Aufbau eines ersten Teilnetzes bis vor die Euro’08 verpflichtet, sein Päckli auf die Post bringen. Die ComCom (Eidgenössische Kommunikationskommission) verlangt es so. Dabei geht’s um eine Funkkonzession – im Gegensatz zu einer Programmkonzession (mehrere solche vergab das Bakom unlängst in Sachen DAB).


In den recht anforderungsreichen Unterlagen steht u.a.:

Die Konzessionärin bietet ihre Verbreitungsdienstleistungen gegenüber Radio- und TV-Veranstaltern oder Fernmeldediensteanbietern zu chancengleichen, angemessenen und nicht diskriminierenden Bedingungen an. Sie darf insbesondere nicht Firmen der eigenen Unternehmensgruppe bevorzugt behandeln.

Um wieviele Kanäle geht es da?

Abhängig von der gewählten Technologie können über eine Plattform mehr als 25 Programme ausgestrahlt werden.

Bis Ende September soll entschieden sein, wer das Netz aufbauen darf, das bis nächsten Frühling gleich dutzendweise neue TV-Kanäle in Formaten zwischen 176×144 und 400×224 Pixel (siehe hier, S.37 unten) verbreiten wird. Diese Fachpublikation schreibt zuunterst auf Seite 205 sogar:

One 8-MHz channel can deliver 30–50 video streaming services to the small screen terminals.

Damit scheint mir klar: Content! Content! Content! Wer auch immer das DVB-H-Netz aufbaut und betreibt, sei es Swisscom oder Sunrise oder sonst wer, braucht Content. In der Ausschreibung steht auf Seite 21 zur Programmpalette:

5.3.4 Beitrag zur Medienvielfalt
Das Kriterium der Medienvielfalt soll sicherstellen, dass neue, vielfältige und innovative Formate in die Angebotspalette aufgenommen und nicht nur bestehende, massenattraktive Programme weiterverbreitet werden. Favorisiert werden einerseits Inhalte, die eigens auf den TV-Konsum über das Handy ausgerichtet und damit auch geeignet sind, einen Beitrag zur Förderung der neuen Technologie zu leisten. Anderseits soll dem Konsumenten eine Programmpalette offeriert werden, welche informative, kulturelle, bildende Elemente ebenso aufweist wie unterhaltende. Ein thematisch breit gefächertes Angebot ist geeignet, den Kreis des Zielpublikums möglichst weit zu ziehen und sich nicht nur auf die Technologiebegeisterten zu konzentrieren. Bewertet wird in erster Linie die Innovation der Inhalte bzw. Beiträge und in zweiter Linie die thematische Breite.
Das Kriterium der Medienvielfalt wird mit 20% gewichtet.

Heisst das, die Bewerber für eine handy-TV-Netzkonzession müssen in ihrem Gesuch auch gleich Aussagen machen über die Programmpalette, die sie anbieten wollen? Etwas verwirrlich, nicht? Egal. Es sieht auf jeden Fall so aus, als ob sich da ein neues Tummelfeld für innovative Geister auftut. Einschlägige Studien versprechen bereits das Blaue vom Himmel herab. Wenn im Herbst tatsächlich diese Netzkonzession an z.B. Swisscom o.ä. geht, dann kommt auf die Euro’08 hin eine neue Generation von Handys auf den Markt. Und deren Bildschirme wollen dann gefüllt sein… Wer ist wohl alles in den Startlöchern mit Programmideen für neue helvetische TV-Kanäle, zugeschnitten auf eine mobile Kundschaft?
Urs Von Arx, Sektionschef Mobil- und Satellitenfunkdienste, ist die Kontaktperson beim Bakom in der DVB-H Sache. Ob er Anfang nächste Woche Auskunft geben darf darüber, wieviele Bewerbungen eingegangen sind?
Und was ist mit dem Streit DVB-H vs. DMB? Die EU, resp. ihre Kommissärin Viviane Reding („commissioner for information society and media“), sprach sich grad unlängst erneut für DVB-H aus, was den Advokaten von DMB gar nicht gefallen hat. Ihnen schwimmen die Felle langsam davon. Südkorea als einziges DMB-Paradies der Welt reicht halt wirklich nicht. Da nützen auch DMB-Geschenke an den Papst wenig…



Publiziert von Admin Deutsch am 24.07.2007 21:37 in Nachdenken


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