17.07.2007

Digital Art Weeks, Viper und der White Cube als medienkünstlerisches Fegefeuer

Die Zürcher „Digital Art Weeks 2007“ sind eben vorüber. Unser Blog war nur scheinbar gänzlich verschwiegen im Vorfeld dieses medienkünstlerischen Mammut-Anlasses: Lady miss.gunst hat dazu im Vorfeld, wenn halt eben auch auf einer Art Zwillings-Blog in einem Beitrag das Wichtigste angekündigt. Nun hier noch eine nachträgliche Überlegung dazu, was die „Digital Art Weeks“ der guten alten „Viper“, dem einstweilen auf Eis gelegten Luzerner, dann, Basler, und jetzt dann vielleicht Berner Medienkunst-Festival voraus haben dürfte. Und hier sei auch noch, bei der Gelegenheit, der Link auf die Bilanz angegeben, die Luigi Kurmann, der ehemalige Präsident der Viper, in einer Rückblende zieht.


Es ist kein Plus, sondern ein Minus, nämlich der Umstand, dass die an der ETH Zürich ausgerichteten „Digital Art Weeks 2007“ NICHT dem White Cube verpflichtet sind, dem Prinzip, dass die prototypische Kunst sich an weissen Museumswänden bewähren muss. Die „Digital Art Weeks“, seit ihrer ersten Veranstaltung vor vier Jahren am ETH-Lehrstuhl für Computersysteme angesiedelt, bewegen sich an der Schnittstelle Kunst und Naturwissenschaft oder enger: Kunst und Computerwissenschaft. Das bringt sie schon gar nicht in Versuchung, dem Drang der Viper zu verfallen, Medienkunst möglichst nahe an die Gemäldekunst heranzuführen. Genau dies war das Problem der letzten Viper, die es vorzog, unter Schweizer Medienkunst fast nur Videokunst zu versammeln, da diese zumindest wie ein Bild in einem Rahmen und an der Wand Platz hat. Die Viper hat aber diese Videokunst tatsächlich so ausgestellt, als handelte es sich um Gemälde, also tonlose Kunstwerke – so dass sich in den klassischen White-Cube-Räumen der Basler Kunsthalle die Tonspuren so heftig kreuzten, als habe man der Schweizer Videokunst und seinem Publikum eine Art akustisches Fegefeuer bereiten wollen.
daw_montello.jpgDoch man soll nicht dauernd über seine Lieblinge schreiben, darum zurück zur „Digital Art Weeks“: Künstlerische Arbeiten, welche sich auf neue Medien einlassen, vertragen selten den Pathos stiller, weisser Ausstellungsräume. Die Nüchternheit einer ETH-Vorlesungsstätte ist zwar auch nicht wirklich geeignet, aber zumindest fordert sie nachdrücklicher zum Denken, Nachfragen und Debattieren auf, was bei der Auseinandersetzung mit Medienkunst fruchtbarer sein dürfte als die Erwartung, sich stumm in ein Kunstwerk versenken zu können.
Ein klassisches Beispiel für eine Medienkunst, die ohne viel Sinn für Vermittlung gar nicht existieren würde, ist der „International Airport Montello“ des deutschen, aber in New York lebenden Künstlerduos eteam (Franziska Lamprecht und Hajoe Moderegger). Das Duo hat über Ebay, also via einem Mausklick, ein Stück Land erstanden, von dem das Duo nichts wusste als das, was auf der virtuellen Börse Ebay zu erfahren war. Das Duo ist erst nach dem Mausklick in die Wüste von Nevada gereist, ins Dorf Montello, neben dem sich die Parzelle befindet. etea hat einige Bewohner von Montello – will man den Schilderungen von eteam glauben, dann das halbe Dorf – dazu gewinnen können, beim „Internationalen Flughafen Montello“ mitzumachen: einer Erfindung der Medienkünstler und zugleich aber offenbar ein Spiel, an dem sich die realen Bewohner von Montello bis heute rege beteiligen. Die reale Anwesenheit der zwei Künstler in Zürich sowie ihre Erzählkunst gehören quasi zu dieser Kunstaktion. Nur die Websitedes virtuellen Flughafens besuchen wäre das halbe Vergnügen. Das Doppelte wäre es vielleicht, wie eteam sich ins reale Montello aufzumachen.



Publiziert von Admin Deutsch am 17.07.2007 16:55 in Nachdenken


Keywords: [Medienkunst] [Video]


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