16.07.2007

Computergeschichte(n)

Wer meint, es seien die Hersteller und die von diesen engagierten Werber, die stets die phantastischsten Zukunftsvisionen in Sachen Soft- und Hardware in die Welt entliessen, versteht zwar deren Sprache richtig zu entschlüsseln.
Dennoch sei versichert: Dass es meistens noch viel besser geht.


Die eigentlichen Fachleute für waghalsige Visionen und schillernde Utopien sitzen traditionell nämlich – nein, auch nicht unbedingt in den Reihen der Science Fiction-Autoren, wie man nun vielleicht vorschnell annehmen könnte. Sondern, was ja eigentlich nur logisch ist: Dort, wo tatsächlich die Hard- und Software der Zukunft entwickelt werden.

Je nach Alter und Berufswahl haben sie ihre Werkstätten am heimischen Schreibtisch, in Keller- und Garagenprovisorien (es muss nicht immer ein neues Business aus letzteren werden) oder eben doch in ganz gewöhnlichen Hochschul- oder Firmenlabors. Wenn man schon den ganzen Tag mit Realitätskoeffizienten rechnen muss, dann braucht es schliesslich zum Ausgleich auch etwas Schillerndes am Horizont.

hk16_g1.gifWobei: Da wären ja auch noch die kollektiven Hysterien, denen ganze Generationen (man selbst womöglich eingeschlossen) anheimzufallen pflegen. MySpace: Endlich 3451 beste Freunde haben, und sogar Micky Mouse und David Bowie sind dabei! SecondLife: Viel viel schönere Blechdosenkostüme als im Lande OZ! Ehrlich, etwas besseres kann kein mögliches nächstes Leben bieten, als eine (fliegende!) Polygonen-Gurke zu sein, die sich in allen nur denkbaren Sandkästen austoben, mit anderen Polygonen-Gurken spielen (und fliegen!) und Luftschlösser bauen darf. Stelle man sich mal vor, was da noch so alles geht oder gehen könnte!
Jenseits solchen Rankings lässt sich allerdings sagen: Spannend sind solche Phantasien, die auf den Computer als Universalmaschine, Superhirn oder Assistenten auf dem Weg zur Erleuchtung projiziert werden, eigentlich immer – und wenn man sie aus der Distanz betrachten kann, meist auch ziemlich amüsant.

Bei genauerem Hinsehen lässt sich zudem feststellen, dass zum jeweiligen Zeitpunkt die Menschen natürlich nicht ganz zufällig auf ihre phantastischen, skurrilen, haarsträumenden oder nurmalganzwertneutral gesagt: visionären Ideen gekommen sind, sondern dass selbst – im jeweiligen Komplex historischer und gesellschaftlicher Faktoren betrachtet – die abstrusesten Hirngespinste einer gewissen Logik nicht entbehren.

hk16_g2n.gifUm genau solche Geschichten und die Komplexe, in denen sie eingebettet sind, ging es am vergangenen Wochenende bei der 16. Ausgabe der Tagung HyperKult, die traditionsgemäss – von einem interdiszipliären und in verschiedenen Städten verorteten Netzwerk einschlägig Interessierter – an der Universität Lüneburg ausgerichtet wurde: Medium Computer. Geschichte(n), Phantasmen, Visionen.
Das schlechte Gewissen, dass man als digital brainstorming-Bloggerin haben kann, dieses Ereignis nicht gebührend rechtzeitig angekündigt und empfohlen zu haben, lässt sich wunderbarer Weise lässig kompensieren:
Wie schon in den vergangenen Jahren ist nämlich auch in diesem nicht nur nahezu die gesamte Veranstaltung in Bild und Ton mitgeschnitten und gestreamt worden. Die Clips wurden zudem anschliessend auch ins Netz gestellt.
Kleiner Wermutstropfen, der logischerweise aber auch schon die Live-Übertragung betraft: In einigen Fällen hat der oder die Aufnehmende leider keinen Blick auf den Soundpegel geworfen oder irgend ein Übertragungskabel einzustöpseln vergessen: Da haben die Mitschnitte dann leider Stummfilm-Qualität.
Aber das kann bei dem Thema vielleicht sogar sein Gutes haben: Bilder und Gesten der Vortragenden werden ja übermittelt – den Rest ergänzt dann die bereits einschlägig angeregte, tätige Phantasie…
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[Bildchen: Soll natürlich mitnichten den eigenen Mangel an Phantasie in Sachen Zunkunftsvisionen belegen, sondern lediglich einen ebensolchen illustrieren, gäll. Für die solide Basis, auf der es hier so spärlich rankt, dankt miss.gunst wie so oft den Wikipedia Commons und ganz besonders Nutzer resp. Spender Fir 002.]



Publiziert von Admin Deutsch am 16.07.2007 09:51 in Hören, Nachdenken, Sehen


Keywords: [Gesellschaft] [Wikipedia]


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