01.07.2007

Viper oder Nomen ist Omen?

Luigi Kurman, der ehemalige Präsident der Viper, hat kürzlich unter dem Titel „Viper verlässt Basel“ unter einer „Rückblende“ seine Sicht der Dinge dargelegt. Das mehrseitige Traktat hat die „IG Film und Medienkunst“, eine im April 2006 gegründete Basler Vereinigung von 17 Film- und MedienkünstlerInnen, dieses Wochenende ihren Mitgliedern kommentarlos verschickt. Da die Vereinigung selbst in dem manichäisch-schwarzweissmalenden Text als eine Art Bundesgenosse Kurmanns Erwähnung findet, liess die kommentarlose Versendung annehmen, dass die „IG Film- und Medienkunst“ Kurmanns viperngiftig-einseitige Darstellung vorbehaltlos teile.


Nun folgt, und der Erleichterung darüber möchten wir hiermit Ausdruck geben, in einer zweiten Mail der „IG Film- und Medienkunst“ eine gewisse Distanzierung von Kurmanns Versuch, den Exodus der Viper für die Zurückgebliebenen etwas zu vergiften. Es heisst in der zweiten Mail, verfasst von Erich Busslinger: „Wie mir zwei Rückmeldungen gezeigt haben, wurde das Mail (mit Kurmanns Stellungnahme, Anm. generalstumm) missverständlich als offizieller Kommentar der IG Film und Medienkunst aufgefasst. Dem ist nicht so. Es handelt sich in dieser Rückblende um eine persönliche Sicht und Einschätzung von Luigi Kurmann.“
Was Kurmanns Stellungnahme so ungeniessbar macht, ist vor allem die klare Schuldzuweisung – natürlich an die andern… Kurmanns Attacke lässt sich leicht auf zwei Personen ausdeutschen: Michael Koechlin vom Ressort Kultur der Stadt Basel und die nicht namentlich erwähnte Direktorin des Plug-In, Annette Schindler. Die Viper respektive ihre ehemalige Leitung sowie das Kuratorium hingegen scheint nach Kurmann keinerlei Schuld zu treffen, im Gegenteil: Kurmann lässt, statt einer kritischen Selbstprüfung, nur wieder die Gebetsmühle der letzten Jahre unablässig weiterdrehen: Viper als das „bedeutendste schweizerische Festival für Film, Video und neue Medien“ und vor allem: Viper als eines der „fünf wichtigsten und grössten Festivals“ weltweit in diesem Bereich. Über Jahre hinweg hatte die Viper alle Kritik an sich selbst mit dieser Selbstpreisung vom Tisch gewischt.
Kurmanns Stellungnahme zeigt unseres Erachtens unfreiwillig vor allem noch einmal in aller Deutlichkeit, wie schwer es die geschmähten Verhandlungspartner, das Ressort Kultur und das Plug-in, bei ihren Verhandlungen mit der Viper und deren Leitung gehabt haben müssen. Insbesondere war die schon groteske Kommunikations-Unfähigkeit des Festivals immer wieder Stein des Anstosses. Die letzte Ausgabe der Viper bildete da einen traurigen Höhepunkt und trotzdem heisst es in Kurmanns Traktat zu dieser letzten Ausgabe lapidar und in gewohnter schönrednerischer Manier einfach nur: „die erfolgreiche Durchführung des Festivals“.
Dass die Viper in Basel nicht Fuss fassen konnte, ist in der Tat eine sehr traurige Angelegenheit; noch mehr, dass ein einst in einem Luzerner Vorort mit so viel Enthusiasmus und Pioniergeist gegründetes und aufgebautes Festival vielleicht keine Fortsetzung findet (zu einer möglichen Neuverpflanzung nach Bern siehe Sybille Omlins Artikel in der NZZ am Sonntag). Doch die Polemik des ehemaligen Präsidenten der Viper ist weniger Trauerarbeit darüber denn ein nachzüglerischer Teil des Problems, das zu diesem traurigen Resultat geführt hat.



Publiziert von Admin Deutsch am 01.07.2007 15:04 in Nachdenken


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