12.06.2007

Schöner Rechnen

sreul_k.gifMathematik erfreut sich bekanntlich nicht bei allen Menschen gleichermassen grosser Beliebtheit. Und ausgerechnet seit es dienstbare Rechner gibt, glauben viele, sich sogar das einfache Kalkulieren im Kopf sparen zu können.
Ein trauriger Zustand, oder? Wo Mathematik doch so etwas Schönes sein kann!


Um so glücklicher, dass sich derzeit eine nachgerade ideale Gelegenheit bietet, die Freundschaft mit dieser Disziplin wenigstens ein wenig zu pflegen. Basel, das dieser Tage ansonsten natürlich vor allem im Zeichen der Kunstmesse steht, hat aktuell nämlich auch in dieser Hinsicht eine spannende Agenda.
sreul_g1.gifZu den berühmten Söhnen der Stadt gehört der Mathematiker Leonhard Euler (1707-1783), und anlässlich seines 300. Geburtstages werden er und seine Disziplin vor Ort gebührend gefeiert.
Der öffentliche Festakt und die Leben und Werk gewidmete Ausstellung in der UB Basel sind zwar schon vorbei, ebenso wie das Filmprogramm, das vom Stadtkino Basel im Mai kredenzt wurde.
Nach wie vor läuft aber nicht nur die Ringvorlesung an der Basler Universität, wo es just heute (Dienstag, 12.06.07) einen durchaus auch für sonst eher Zahlenabstinente spannenden Vortrag von Thomas Steiner geben wird, der sich Elektrizität und Magnetismus im 18. Jahrhundert widmen wird (genau, das ist unter anderem auch die Epoche, in der Franz Anton Mesmer unterwegs war).
sreul_g2.gifZudem gastiert seit vergangenem Wochenende und noch bis zum 23.09. im Naturhistorischen Museum Basel die Wanderausstellung „Mathematik erkeben„.
Wer da jetzt an so etwas wie eine Geisterbahn denkt, durch die man auf motorisierten Schulbänken rollt, ist freilich falsch gewickelt. Natürlich will „Experiencing Mathematics!“ (so der O-Titel des internationalen Projekts) Begeisterung für seinen Gegenstand wecken. Und wie das geht, kann man sich vorab des Ausstellungsbesuchs schon mal auf dessen Heimseite in einem virtuellen Rundgang durch die einzelnen Kapitel bzw. Stationen der Schau ansehen.
[Beiseit: Glaube nun keine/r, so eine Mathe-Ausstellung sei nur etwa für Kinder oder Kindsköpfe. Ganz im Gegenteil kann es auch versierten KopfrechnerInnen ziemlich viel Spass und gegebenenfalls auch einiges Kopfzerbrechen bereiten, solche Nüsslein zum Anfassen zu knacken. In dieser Hinsicht bereits getestet und für gut befunden, das nur als Empfehlung nebenbei: Das grossartige Giessener Mathematikum Liegt übrigens sozusagen auf dem Weg, wenn man zur documenta nach Kassel fährt.]
sreul_g3.gifAnsonsten und um noch mal zu unserem Jubilar, also Leonhard Euler zurückzukommen, den die meisten (so sie nicht selber vom Fach sind) wohl vor allem über die nach ihm benannten Eulerschen Zahlen und vielleicht noch den Eulerschen Polyedersatz kennen werden:
Dazu, sich angelegentlich mit seinen gesammelten Schriften zu befassen (von denen eine ganze Reihe über das Online-Angebot des Göttinger Digitalisierungszentrums im Netz verfügbar sind), wird man selbst wissbegierige Digital BrainstormerInnen nicht so ohne weiteres verführen können. Obwohl es darunter so spannend tönende Titel wie „Emendatio laternae Magicae ac Microscopii solaris“ und sogar ein Werk zu Mathematik und Musik, „Tentamen Novae Theoriae Mvsicae“ gibt. Und wohl nicht nur, weil man hierfür des Lateinischen mächtig sein muss (btw: den ersten Teil der Einleitung in die Analysis des Unendlichen hat es immerhin auch in deutscher Übersetzung).
Aber vielleicht interessiert sich ja der eine oder die andere für eine Alternative zu MATLAB, wenn er oder sie Hilfe bei der Lösung mathematischer Probleme (komplerer Art natürlich, sonst reicht sicher schon der Rechner auf dem Rechner völlig aus ;)) oder aber – und spätestens hier könnte es schon auch für KünstlerInnen interessant werden – zur graphischen Darstellung von Errechnetem braucht.
Dann könnte nämlich das nach unserem Geburtstagskind benannte Programm „Euler„, das an der Uni Eichstätt entwickelt wurde bzw. wird und unter GPL lizensier ist, genau das Richtige sein.
Den Namensgeber hätte diese kreative Mathe-Initiative sicher geehrt.
[Bildchen: Oben rechts Herr Euler auf dem Zehn-Franken-Schein (ja, eigentlich hat man es wirklich in der Hand, auch im Alltag die Freundschaft zur Mathematik zu pflegen); mittig zur Linken ein konvexes Ikosaeder, das den erwähnten Eulerschen Polyedersatz erfüllt; und schliesslich ein selbstgemaltes Haus-vom-Nikolaus. Kennt jeder, oder? Aber schon gewusst, dass es einen sogenannten Eulerweg – wenngleich auch keinen Eulerkreis beschreibt? Eben.]



Publiziert von Admin Deutsch am 12.06.2007 12:08 in Nachdenken


Keywords: [Kinder] [Wikipedia]


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