30.04.2007

MuVi-preis für die morituri?

Dass Musikvideos eine aussterbende Gattung sind, scheint ausgemacht. Ob das so stimmt? Für heute heisst es jedenfalls erst mal den Daumen über ihnen heben – genauer gesagt: Über einem Exemplar, dem man auf diese Weise sogar zu Preis und Ehr verhelfen kann.


Wie es sich in Zeiten von Web 2.0 ff. geziemt, natürlich online mit einem der klassischen Votings, wie sie mittlerweile allenthalben üblich und deshalb auch schon längst zum Trendsportplatz für Hacker geworden sind. Aber letzteres nur beiseit.

Zu wählen gilt es, wie eingangs schon angedeutet, ein Musikvideo. Bei dem Lorbeer wiederum, der dem auf diese Weise erkiesten Favoriten winkt, handelt es sich um den Publikumspreis zum seit 1999 alljährlich im Rahmen der Kurzfilmtage Oberhausen vergebenen „MuVi“-Preis für Musikvideos aus Deutschland.

Weil letzteres übrigens ziemlich weit gefasst werden kann, sich nämlich primär auf den Produktionsort bezieht (und nicht unbedingt auf: RegisseurInnen, Musikschaffende und ihre Labels), mindestens potentiell sogar eine ins Internationale lappende Angelegenheit. Wie ansonsten das MuVi-Videoprogramm vor Ort sowieso. Und vor allem anderen eben der Wahlvorgang, was in diesem Fall ja erst mal das Wesentliche ist.

Vorab ein Überblick über die Kandidaten lässt sich auch mithilfe einer kompakten Liste gewinnen, die allerdings nur die Datensätze umfasst.

Besser also, man springt gleich auf die Voting-Seite, auf denen es die Clips dann auch gleich zu sehen und eben auch zu wählen gibt.

Hierfür nun Empfehlungen auszugeben, verbietet sich eigentlich. Wenngleich miss.gunst doch gern verrät, dass ihr Mausfinger immer bei der Sichtung von H.O.N.D. Aerobic verdächtig zu zittern beginnt, einer wie immer kongenialen Kooperation von Mariola Brillowska und Felix Kubin (Gagarin Records). Aber das ist erstens schlicht und einfach notorischen persönlichen Neigungen geschuldet und zweitens bleiben ja noch gute zwei Tage Zeit, sich in der Qual der Wahl zu wälzen. Entschieden werden muss bis 03. Mai.

Was den Kandidaten nicht durchgängig, aber doch mehrheitlich gemeinsam ist: Beim klassischen Musikfernsehen hätten sie kaum je eine Chance gehabt. Aber das gibt es ja sowieso nicht mehr, seit nur noch ein paar verstreute Clips die Refraktärphasen zwischen nervtötender Klingeltonwerbung bespielen dürfen.

Tot ist das Genre an sich aber deshalb noch lange nicht, wozu stehen webbasierte Plattformen wie Youtube bereit. Dort wurde unlängst übrigens ebenfalls ein Publikumspreis vergeben – nämlich der für die besten Eingaben 2006. Und den räumte in der Kategorie „kreativster Beitrag“ ein Musikclip ab: „Here It Goes Again“ von OK Go aus Chicago ist zwar im tonalen eher konventionell gestrickt. Aber für das bewegte Bildchen dazu haben sich die Jungs bzw. ihr Regisseur durchaus etwas einfallen lassen.

Kurzum: In dieser Arena ist also noch einiges los; von morituri, also Todgeweihten, muss man mitnichten unken. Und mindestens so lange sich einerseits Produktionsmittel zusammenkratzen und andererseits Plattformen finden lassen, auf denen man das Ganze dann präsentieren kann (ob nun online, auf einem Festival oder in einem Club) sind es doch eigentlich ganz andere Faktoren, die über Musikvideos im Sinne von Leben oder Tod entscheiden:

Die Musik, die Bilder; die Fähigkeit, beide zu erzeugen und zusammenzubringen. Ein Publikum, das alles dies zu schätzen weiss. Und letzeres hin und wieder mal auf die eine oder andere Weise zeigt.



Publiziert von Admin Deutsch am 30.04.2007 21:39 in Mitmachen, Sehen


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