27.04.2007

SRG bietet Filme on demand

Die SRG SSR idée suisse hat angekündigt, sie wolle im Sommer ein kostenpflichtiges Angebot ins Netz stellen, über das Filme, die im Rahmen des so genannten „Pacte de l’audiovisuel“ entstanden sind, downloadbar sein werden. Die Videofiles „verfallen“ nach 48 Stunden. Die mit diesem Dienst erzielten Gewinne sollen dem Filmschaffen zugute kommen. Allerdings steht zu befürchten, dass das Projekt in der angekündigten Form ein Rohrkrepierer wird, der mehr Geld verschlingt, als er je einbringt.


Filme gegen Entgelt so zum Download anbieten, dass sie das Publikum gerade mal 2 Tage lang anschauen darf: Ein netter Versuch, im Grundsatz eine sympathische Idee, aber: Das ist ja schlimmer, als die allermeisten existierenden on-demand-Angebote auf dem Netz! Warum nur 2 Tage? Warum gegen Entgelt? Die Filme aus dem „Pacte de l’audiovisuel“ sind schon lange bezahlt über Gebühren, Kinoeintritte, Werbung, Subventionen, Sponsoring usw. Diese on-demand-Übung ist ganz offensichtlich der Versuch, die Zitrone noch etwas gründlicher auszudrücken. Das wird schiefgehen. Ausser den paar wenigen Cinéphilen, die einen Streifen aus diesem eingeschränkten Repertoire des Schweizer Filmschaffens unbedingt nochmals sehen wollen, wird kaum jemand Geld in die Hand nehmen für ein File, das nach 48 Stunden zu nichts anderem mehr taugt, als gelöscht zu werden. Den Film innerhalb der Nutzungsdauer auf eine DVD zu brennen, wird sicher nicht erlaubt sein.
Das Konzept ist zum Scheitern verurteilt. Denn wer kauft beispielsweise eine DVD, die nach einer Woche „verfault“. Oder kauft online ein Musikstück, das nur 3 Mal ertönt. Jedenfalls wird dieser on-demand-Dienst sicher nur relativ wenig Geld einbringen. Mit etwas Glück deckt er grad die Kosten. Substantielle Beiträge für die „Förderung des kreativen Filmschaffens“ sind so nicht zu holen! Und – allerdings reine Spekulation! – das Digital Rights Management System wird wohl nur auf Windows funktionieren.
Gegenvorschlag: Geht Kooperationen ein mit Google oder iFilm oder Veoh oder dailymotion oder sevenload oder sonst einer Videoplattform (oder gleich mit allen)! Bietet die Filme gratis an! Ihr wollt Geld verdienen? No way auf diesem Weg! Das primäre Anliegen muss doch sein, die Werke unter die Leute zu bringen! Einnahmen wären allenfalls erzielbar über die Option, hochwertige HD– oder blueray-Versionen davon zu bestellen; die dürfen dann natürlich etwas kosten. Reich wird auch so niemand (ebenso wenig wie mit dem SRG-Ansatz), aber das Publikum hätte wenigstens Zugriff auf eine interessante Filmbibliothek – die es eh schon bezahlt hat! Und den Filmschaffenden gäbe dieses Vorgehen sicher eine höhere Sichtbarkeit, als der mutlose Verleih-auf-Zeit-Ansatz.
Die einzigen, die garantiert nicht zu knapp verdienen werden bei dem Projekt, sind die Beratungs-Firma, die der SRG das faule Ei verkauft hat, und die Hard- und Software-Lieferanten.



Publiziert von Admin Deutsch am 27.04.2007 09:04 in Sehen


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