18.01.2007

Zeichenmaschinen in Aktion (Lars Vaupel)

lv_zr_k.gifNicht nur in Wolfsburg gibt es Phänomenales zu bestaunen. Auch in Zürich kann man dieser Tage mit Robotern flirten – und obendrein noch solchen, die über künstlerische Talente verfügen. Mindestens sehen ihre Produktionen ganz danach aus.


Auf Einladung von digital brainstoring sind nämlich ab dem heutigen Donnerstag (18.01.07) nämlich im Cabaret Voltaire Bilder zu sehen, die nicht von Menschenhand gefertigt wurden – sondern von kleinen, fleissigen Zeichenmaschinen. Und weil Letztere sich – anders als so mancher Künstler-Kollege – klaglos bei der Arbeit über die Schulter schauen lassen, wird man auch weitere Kunstwerke im Werden bestaunen können.
lv_zr_g1.gifVerantwortlich für die filigranen Konstruktionen, die auf kleinen Rädchen schier unermüdlich über die Zeichnfläche huschen und Piruouetten ziehen, um mit ihren Spinnenbeinchen ein zunehmend dichtes Geflecht eleganter Zirkel und Schwünge zu Papier zu bringen, ist der Hamburger Lars Vaupel.
Als Mitglied der Gruppe f18 – genauer gesagt: des f18 institute for art, information and technology ist er seit langen Jahren auf die Erfindung und Produktion von phantastischen Maschinen spezialisiert, die an der Schnittstelle von Kunst und Robotik funktionieren.
Mit seinen Zeichenrobotern war er bereits im Rahmen des Projekts „playground robotics“ in der Schweiz zu Gast; damals waren sie – zusammen mit einer Maschine von Jean Tinguely – in einer Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn zu bestaunen.
In Zürich müssen die kleinen Zeichner nun zwar ohne das Patronat eines derart würdigen Verwandten auskommen – aber dafür ist das Cabaret Voltaire auf seine Weise ebenfalls ein denkbar passender Ort für ihre Präsentation: Schliesslich haben die Dadaisten ihrerzeit unter anderen deshalb Kunst als Anti-Kunst propagiert und betrieben, um sich und ihr Metier vom Muff des Geniekults zu befreien. Was sie natürlich nicht davor feite, im selben Atemzug dennoch Aktionen, Worte und Bilder in die Welt zu entlassen, die mindestens im übertragenen Sinne durchaus ins Genialische lappten – beziehungsweise: uns noch heute als Kunst überzeugen und dem entsprechend inspirieren können.
Vaupels Zeichenroboter schliessen da wunderbar an und gehen sogar noch einen Schwungrad-Schritt weiter: Mit dem Handstreich eines göttlichen Genius wird man ihre Prodiktionen schwerlich assoziieren – obwohl sie doch eindeutig Bilder produzieren, die das sprichwörtliche „O di Giotto“ lässig in den Schatten stellen. Kunstvoll und klug ist vielmehr die Konstruktion selbst, die den Glauben an Genie-Legenden überflüssig macht: „The smart artist makes the machine do the work„, um einen Leitspruch von Vaupels Hamburger Kollegin Cornelia Sollfrank zu zitieren, der auch in diesem Fall bestens passt.
lv_zr_g2.gifAnders als man das gemeinhin als verschroben geltenden Bastlern gerne unterstellt, gibt Vaupel zudem auch gerne Einblick in seine Arbeit: So wird er nicht nur heute Abend ab 18:00 Uhr bei der Vernissage der Ausstellung im Cabaret Voltaire anwesend sein und seine Konstruktionen vorstellen. Sondern auch am Samstag im Rahmen des Projekts „bug’n’play“ einen Workshop leiten, dessen TeilnehmerInnen dann direkt in die Kunst des Roboterbaus eingeweiht werden.
Da Letzterer aber leider nur einem angemeldeten Kreis zugänglich ist, sollten sich alle anderen FreundInnen von Zeichenmaschinen heute abend vor Ort im Cabaret Voltaire einfinden – wo (kleiner Trost für Zuspätkommende, -lesende und an diesem Termin verhinderte:) die automatischen Künstler und ihre Werke dann noch bis einschliesslich 02.03.07 zu bewundern sind.



Publiziert von Admin Deutsch am 18.01.2007 09:20 in Hingehen


Keywords: [Robotik] [Wikipedia]


Ausserdem